hans platzgumer aura anthropica 1997

wir leben alle hier in diesem fahlen licht
und wir hoffen nur dass dieses leben nie zerbricht
wo der wahnsinn klopft da ist es einerlei
wenn der wahnsinn klopft da stehst du schnell ganz allein
und schon fängt es an um dich und in dir immer dunkler zu werden
und die leute wollen dich dann nicht mehr hören
ja dann weisst du es ist spät
du hast keinen abend mehr vor dir und dein tag war schon viel zu lang
es stellt sich nicht die frage
ob du aufgeben willst
die katastrophe nährt am drang
und das böse drängt sich immer vor
dein hirn braucht endlich etwas luft
du machst das fenster auf
du hältst es nicht mehr aus
du lässt den regen rein
du hörst die tropfen schreien
und dann weisst du es ist spät
vielleicht schon viel zu spät
und die lebenslust verfliegt
und der gram hat sich vertieft
und dann ist schluss
es zieht dich in die dunkelheit
von draussen lässt du nichts mehr rein
in diesem sog ist nichts verrufen
keine antwort mehr zu suchen
der wahnsinn der brennt lichterloh
an dieser stelle
es geht nicht immer alles auf die schnelle
und das rad dreht sich so immer weiter, tiefer,
immer tiefer bohrt es sich in dein gemüt
und macht dich stumpf und stumm
und sie schauen zu und warten es nur mehr ab
reden sich raus und geben auf
es wird sinnlos
die kraft verfliegt im nu
und dann weisst du es ist schon viel zu spät

das PAL-Feld

Das PAL-Feld (Problem-anderer-Leute-Feld, im Original Somebody Else’s Problem (SEP)-field) dient ( … im Roman … ) zur Tarnung von Raumschiffen oder Ähnlichem. Es ist im Anhalter-Universum viel einfacher und wirkungsvoller als ein normales Unsichtbarkeitsfeld (und kann obendrein über hundert Jahre lang mit einer einfachen Taschenlampen-Batterie betrieben werden) durch den natürlichen Hang der Menschen, in allem ein Problem anderer Leute zu sehen.

Ein PAL-Feld beruht auf der angeborenen Neigung der Leute, nicht zu sehen, was sie nicht sehen wollen, nicht erwartet haben oder nicht erklären können. Sie erklären es einfach zum Problem anderer Leute und nehmen es deshalb schlicht nicht wahr. Das Feld findet Erwähnung im Buch Das Leben, das Universum und der ganze Rest, als ein Raumschiff (das mit dem Bistr-O-Matic-Drive angetriebene Raumschiff von Slartibartfaß (einem der Erbauer der Erde; er hat sich besonders um Norwegens Fjorde verdient gemacht)) während eines Spiels mitten auf dem Lord’s Cricket Ground landet, die versammelten Zuschauer es jedoch überhaupt nicht wahrnehmen.

untitled

In meinem Kopf geht Folgendes vor:

seit 15 Jahren muss ich mich mit zwei, drei Handvoll Leuten rumschlagen, die mir nichts bedeuten und die ich mir nicht ausgesucht habe.
Nun gut, selbst Schuld.

Immerhin konnte ich mich vor 13 Jahren so gut stabilisieren, dass ich einer regelmäßigen Tätigkeit nachgehen konnte.
Nun gut, ich habe 800 Euro Schulden für Tabak und bin auf das Sozialamt angewiesen. Empathie ist mir nicht völlig fremd, aber manchmal habe ich Mordlust.

Sezieren wir die Situation:
In einer 5-jährigen Arbeitslosigkeit bin ich zum Queer geworden. Die sind nicht sehr beliebt, aber zur Selbstverteidigung würde ich auch töten. Drinking… yes I do it, so circa 1 bis maximal 5 am Tag und einzweimal im Jahr einen Kasten zum Skat.

Sucht ? Tabak (also Nikotin), Psychopharmaka, Kaffee, bißchen Becks nix Hartes, noch nie. Hilfsbereit wie ich bin habe ich alle meine Kontaktdaten seit 20 Jahren im Internet stehen. Die Familie ist im Besitz von circa 400.000 Euro in Immobilien. Worte habe ich produziert im Verlaufe meiner odyssee-artigen Suche nach some meaning between all the disappointment und Musik fügt sich in meinen Alltag, zur —- ich zögere —- Entspannung.

Hans Platzgumer ist ein Seelenverwandter und der Bezugsbetreuer war mein Trainer. Ein Rad werde ich mir anschaffen, ein Cube Attain Race (oder vielleicht doch lieber Carbon statt Aluminium ?) in 62 Zentimeter Rahmenhöhe. Das kann man leasen für 28 Euro im Monat, 4 Jahre lang.

Unterbrochen von Essensplänen nehme ich den Faden wieder auf.
Wenn es einen gab.
Peergroups haben es an sich, dass sie auch Notsituationen und Todesfälle überdauern. Ich schweife ab. Im Leben geht es oft ums reine ÜBER-leben. In Bethel bin ich wieder zu mir gekommen. Dann wurde ich im Laufe der Reha immer pragmatischer.

Langfristig ist Autonomie, nichts anderes als Selbständigkeit.

Texte sind Buchstabenstaub, der sich aneinanderfügt.

Gefühlt wohne ich nonstop – 24-7, permanent mit circa 70 Leuten zusammen, aber das ist vom feeling her – it’s a satanic drug thing you wouldn’t understand.
In der Realität sind es acht – Ihr wisst schon, Physik, Gravitation, das mit der Sonne und dem Erdkern und den Atomen.

to look up : Dunbar’s number

to read : the wizard of oz

23. september 2010

     Vor einigen Jahren haben belgische Journalisten (Sie wissen schon, dieses Land zwischen Frankreich, Deutschland und den Niederlanden) nach jahrelanger akribischer Vorbereitung eine sogenannte Ente platzen lassen. Es wurde in den Hauptnachrichten das Ende der belgischen Monarchie ausgerufen. Angeblich sei der König zurückgetreten und das Parlament beriete über den Fortgang der demokratischen Regierung ohne Staatsoberhaupt, wovon hinter verschlossenen Türen nichts mitzubekommen sei und eine Liveschaltung zum Parkplatz des Regierungsgebäudes war alles, was hautnah zu senden war. Eine Nacht und einen halben Tag lang war das Volk in Aufruhr, bevor sich herausstellte, dass eine Handvoll Journalisten diesen Coup ausgeheckt hatte, um die Labilität und die Subjektivität dessen zu demonstrieren, was so alles über den Äther geht. Assoziationen zu Twitter und A beautiful mind wabern durch mein Bewusstsein und wollen punktgenau festgehalten werden. Der britische Komiker Stephen Fry befreite sich und seine Mitfahrstuhlfahrer aus einem steckengebliebenen Lift mittels Laptop und Twitter. Die Gedanken, die sich bei der Erinnerung an die mehrmalige Rezeption des Filmes über Johnny Nash entfalten wollen, sträuben sich noch etwas. Die Subjektivität unserer Wahrnehmung ist eine Angelegenheit zwischen Bilderbüchern, Polaroidphotos, Aufsätzen und Medien in Wort, Bild und Netz und keineswegs eine exklusive Domäne der psychischen Gesundheit oder Krankheit.

 Es sei angemerkt, dass durchaus Grund zur Hoffnung besteht, denn wenn dem Autor und seinem Kugelschreiber kein Streich gespielt wurde, hat das vielgescholtene Internet bei der orangenen Revolution in der Ukraine wohl eine wichtige Rolle gespielt. Dann widerum klaue ich meine Texte zusammen, bin monopolar und depressiv und bilde mir ein, daß es von einem pornographischen Foto vom Anfang des letzten Jahrhunderts bis zur Verbreitung von rotten.com und radikalen Inhalten sowie fanatischen, verletzenden und verbrecherischen Mißhandlungen von normalerweise Schutzbedürftigen kein sehr besonders langer Weg war. Man fragt sich unweigerlich, was kann nach Reality-TV, Talkshowbrei und unsäglichen Gerichtsshows noch alles kommen und jedesmal wenn man denkt, das Niveau habe soeben den absoluten Nullpunkt erreicht, wird man eines besseren belehrt. Ob die versuchte Demaskierung von 30 aufeinanderfolgenden Bild-Titelseiten in der Harald-Schmidt-Show ein probates Mittel ist oder ein Tropfen auf den heißen Stein sowie Teil des Sendeoverkills, sei dahingestellt. Unmöglich, die Flucht zu ergreifen, scheint es dennoch fraglich, ob man lieber den Red Hot Chili Peppers mit ‘throw away your television, time to make this clean decision’ folgen soll oder besser Teil des Systems wird und versucht, seinen Weg zwischen Weblog, Essays oder gar Gänsefüßchen Literaturversuchen Gänsefüßchen oben zu finden.

 Agostino Ramelli war ein mittelalterlicher Erfinder einer sogenannten ‘Bücherlesemaschine’, also vermutlich Post-Gutenberg, diese Information sei zur Vergleichbarkeit von Buch und Netz ebenso angemerkt wie die Quelle hdnet.de. Das komplexe Geflecht, um nicht zu sagen Netz aus menschlichen Beziehungen zwischen Arzt, Eltern, Kindern, Partnern, Büchern sowie Schicksalsgenossen zu entwirren, sei ambitionierteren Egomanen überlassen. WER jedoch alles WAS über Sie recherchieren kann, ob Personalchef oder Stalker, finden Sie im Zweifel eher zu früh als zu spät heraus. Was sich im besten Falle als Luxusproblem erweist. Zwischen Leben und Tod hängen oder schweben, wenn nicht gerade Patient einer Intensivstation, normalerweise Menschen, die nicht im Netz vertreten sind und das Damoklesschwert öffentlicher Bloßstellung sei jedem als warnendes Beispiel vor Augen geführt. Manche haben Hunger, andere eine Sinnkrise, dritte eine Sendepause. Bereinigt werden können manche Fehler nicht. Live, 3-D und in Farbe sowie etwas blauäugig schließe ich diese Kolumne und erkläre das Wort zum Dienstag als wiedereröffnet.

Der König ist tot, es lebe der König.