Spaziergang

Sternzeit 1294,9

Heute haben wir unseren zweiten Erforschungsspaziergang unternommen. Erneut ist uns niemand auf den Wegen und Plätzen begegnet. Der Mann von gestern hatte sich inzwischen etwas beruhigt. Und wir haben eine neue Kommunikationsart entdeckt, ganz ähnlich unseres Funkverkehrs mit der Mondbasis. Welch ein seltsamer Planet, dieser Target. Beide Monde waren heute Nacht halbvoll. Ob die Bewohner daraus irgendetwas ableiten, ist uns leider noch vollkommen unbekannt. Wir fanden weitere Behausungen, Wege und Plätze und sogar einen Wald. Da doch recht viele Bewohner ihre Behausungen vom Tageslicht abschirmen, können wir nicht sagen, ob sie sich zu Hause eingeschlossen haben oder was der Grund für die leeren Wege ist. Die Geodaten unserer zweiten Expedition jedenfalls waren für den Grizzly ein gefundenes Fressen. Im Wald wenigstens schien niemand zu wohnen. Als wir erneut ohne Kontakt zur Dark Shadow zurückkehrten, hatten wir viele neue Details fürs Logbuch. Diesen seltsamen Forscher jedoch wollten wir weiter im Auge behalten. Wer weiss, ob sie über größere Strecken kommunizieren können, jedoch halten sie sich seltsame, knochenähnliche Gegenstände ans Ohr und reden so miteinander. In der Literatur fanden wir nichts dazu verzeichnet, zumal wir so weit ins All vorgedrungen waren, dass es keine verlässlichen Sternkarten mehr von der Gegend gab. Die Atmosphäre jedenfalls kam uns Tieren sehr entgegen, so dass wir den Planeten ohne Zweifel als Klasse M klassifizieren konnten. Der Ameisenbär, der Delphin und der Octopus unterhielten sich heute abend noch lange, um Pläne für unsere nächste Expedition zu schmieden. Die Gravitation jedenfalls schien alle ausser unserem ersten beobachteten Individuum ziehmlich kalt zu lassen. Er war ja ganz aus dem Häuschen gewesen. Dafür musste es doch einen Grund geben ? Eine humanoide Spezies also….

Das Radiergummi-Experiment

Sternzeit 1293,1

‘Juchhu – es fällt nach unten !’ schrie er und drehte sich im Kreis. Die Mannschaft hatte begonnen, den neuen Planeten, den sie Target getauft hatten, zu erforschen. Auf dem lebte offenbar eine sehr seltsame Spezies. Sie beobachteten einen Mann, der etwas nachlässig gekleidet war und ein Radiergummi fallenliess. Er schrie unablässig, vollführte Luftsprünge, drehte sich dann wieder im Kreis und hörte nicht auf zu schreien. ‘Eso es! Es fällt. Die Gravitation. Newton. Juchhu!’ schrie er. ‘Niemand weiss es, aber es stimmt!’. Das war für unsere zwölf Freunde natürlich ein alter Hut, aber anscheinend war das erste Individuum, das sie beobachteten ein Forscher und er hatte soeben die Gravitation durch ein Experiment nachgewiesen. ‘Ich fasse es nicht. Seit Jahrhunderten ist das bekannt!’, schrie der Mann. Unsere Freunde zogen sich zurück und überließen den Mann, die Spezies und den Planeten ihrem Schicksal. Als sie wieder in der Dark Shadow ankamen, überlegten sie die Sinnhaftigkeit der Nicht-Einmischungsdirektive. Zunächst jedoch verzeichneten sie alles genauestens im Logbuch. Ob es wohl weitere Individuen gab, die ähnlich spannende Dinge unternahmen ? Es schien eine Art Vorhof zu sein, in dem sie gelandet waren. Seltsame Bebauungsformen waren aneinandergereiht. Ein Zentrum war nicht auszumachen. Manche schirmten sich von der Aussenwelt ab. Auf den Wegen, die zwischen den Hütten umherführten war ihnen niemand begegnet. Wohl hatte der Planet zwar zwei Monde, aber es schien vollkommen unsicher, ob die Spezies diese erstens bereits beobachtete oder gar zweitens Schritte ins All unternommen hatte. Wir werden eine weitere Expedition starten. Es muss weitere Behausungen geben. Wer weiss, wie sie kommunizieren ? Zunächst werden wir Abendbrot essen und uns morgen direkt auf einen neuen Erforschungsspaziergang begeben. Immerhin forschten sie, immerhin. Good Night everyone and have a fine day tomorrow. Mission in progress, schrieben wir auf. Der Frosch klappte das Logbuch zu und rauchte eine.

o-fourteen preview

Wohnen
Arbeit
Fortbildung / Experienced Involvement
Arzt
Betreuer
Familie
Drogen und Alkohol
Finanzen
Liebesleben
Hygiene
Kleidung
Ernährung
Aggressivität
Glaube
Planung

Wohnen

Die betreute Wohnform zerrt an den Nerven. Eine Gratwanderung zwischen dem Rückzug ins Private und Gemeinschaftsaktivitäten inklusive Betreuungsterminen (Mahlzeiten, Einkäufe) muss gefunden werden. Seit dem 15.3. 2011 werde ich durch Mitarbeiter der Klinke gGmbH betreut. Die Mitarbeiter geben sich große Mühe, sind allerdings Zwangszuhörer. Zur Zeit fallen auf dem Papier 6,5 Fachleistungsstunden Betreuung und 1,5 Stunden Haushaltspflege an. Dies wird in der Realität nicht erreicht. Durch die Arbeit im ISR bin ich oft froh, einfach meine Ruhe zu haben. Einmal wöchentlich findet eine Mahlzeit statt, es gibt einen weiteren optionalen Termin. Hier kommen wir auf zwei Stunden. Sporadisch nehme ich an der Einkaufsgruppe teil, im Alltag werden die Einkäufe jedoch in der Mehrzahl autonom erledigt. Es werden also 3 Stunden Betreuung wöchentlich verzeichnet.

Zu ergreifende Schritte : Die Planung per ISBR kann wie verzeichnet vorgenommen werden. Die Betreuung kann weiter rückgebaut werden. Es wird großer Wert auf die Freiwilligkeit der Aktivitäten gelegt. Im Frühjahr können eventuell wöchentliche Sporttermine aufgenommen werden.

Arbeit

Seit dem 13.5. 2013 leiste ich eine Vollzeittätigkeit. Im letzten Quartal (Okt. – Dez. 2013) ist ein unentschuldigter Fehltag angefallen. Manchmal lässt die Pünktlichkeit zu wünschen übrig. Inhaltlich stellt die Arbeit eine Unterforderung dar. Dass die Pausen frei einteilbar sind, wird allerdings positiv verzeichnet. Das Aufstehen und der Arbeitsweg (Wachwerden, Zigarette, Kaffee, (ggf. Bad), Start zum Bus / Fahrrad) ist weitgehend automatisiert und wird nicht täglich neu in Frage gestellt. Gegenüber der Tätigkeit für Audioservice bei Hrn. Jung ist ein geringfügig gestiegener Komplexitätsgrad der Arbeit anzumerken. Es ist Raum für zeitweise reflektive Einheiten. Gelegentlich muss im Teamwork / Arbeitsteilung gearbeitet werden, die diesbezogene Kommunikation klappt gut. Zwischendurch bin ich manchmal von Unruhe geplagt, dann verlasse ich den Arbeitsplatz zum Rauchen oder suche Gesprächspartner.

Fortbildung / Experienced Involvement

3 von zwölf Modulen sind absolviert. Die Arbeit am Portfolio und der Präsentation ist aufgenommen worden. Ende Januar findet das erste Schnupperpraktikum in der Kontaktstelle West / Lebensräume statt. Die Finanzierung liegt zur Bearbeitung in der Rechtsabteilung des LWL. Ein Förderverein ist bis auf einen Eigenanteil in Vorleistung gegangen (50,00/150,00/Modul). Die Fortbildung, die größtenteils in Gruppenarbeit stattfindet, wird als ausgesprochen hoffnungsverbreitend wahrgenommen. Das Zentrum der Ausbildung stellt das sog. Plenum dar, die Gesamtheit der 24 (22) Teilnehmer und 3 Trainer. Das Sprechen vor dieser Gruppe wird noch trainiert. Das zweite, 80-stündige Praktikum soll, falls möglich, in einer Akutklinik absolviert werden. Ob sich eine berufliche Perspektive öffnet, kann noch nicht abschließend mit Bescheid belegt werden. Eine Stelle als ‘Genesungsbegleiter’ wird möglicherweise angestrebt.

Arzt

Es finden 6 Termine jährlich statt. Die Medikation (Zyprexa 10-0-15-0, Fluanxol 12-0-12-0) wird wie vereinbart unter strengster Disziplin eingenommen. Die geplante Reduktion im Oktober 2014 wird allerdings kritisch gesehen. Das Verhältnis ist von gegenseitigem Vertrauen geprägt. Die Blut- und Leberwerte sind in Ordnung.

Betreuer

Das Büro Ferrara arbeitet in höchstem Maße professionell. Es gibt nichts kritisches anzumerken. Die Hauptkoordination findet in monatlichen Abständen statt.

Familie

Das Verhältnis zu den Eltern ist wegen eines starken Erwartungsdruckes schwierig. Allerdings wurde der Bruder als Vertrauensperson im Krisenplan eingesetzt.

Drogen und Alkohol

Der letzte Cannabiskonsum fand im Sommer 2012 statt. Harter Alkohol wird i.d.R. nicht konsumiert. Der Umgang mit dem Feierabendbier ist eventuell etwas zu lax. Es wird Bier aus Bremen konsumiert, allerdings nicht mehr bis zum Pupillenstillstand sondern in Maßen.

Finanzen

Das Jahr 2013 oblag strenger Beobachtung und Buchführung. Es wurde mit einer schwarzen Null abgeschlossen.

Liebesleben

An dieser Stelle gibt es wenig bis keine Hoffnung zu verzeichnen.

Hygiene

Eventuell unterdurchschnittlich. Rasieren und Duschen regelmäßig.

Kleidung

Ist vorhanden.

Ernährung

Zuviel Coffein und ansonsten eventuell einseitig. Regelmäßige Mittagsmahlzeit auf Arbeit.

Aggressivität

Verbale Aggressivität und laute Fluchausbrüche sind seltener geworden, allerdings bricht sich der Frust doch von Zeit zu Zeit Bahn. Damit jedoch keine Unschuldigen darunter leiden müssen, finden diese Momente beim Alleinsein statt. Sport könnte an dieser Stelle helfen.
Glaube

Buddhistischer Freidenker mit christlichen Wurzeln.

Ich glaube weder an ein Leben nach dem Tode noch an einen liebenden Vatergott. Jesus mag eine zentrale Figur in der abendländischen Geschichte gewesen sein, Verträge kann man mit ihm allerdings keine schließen. Zwar besuche ich mehr oder weniger regelmäßig einen christlichen Hauskreis und bete auch manchmal, denke allerdings an Jesus weder als meinen Herrn noch als jemand Lebendigen. Dass ich jedoch christliche Wurzeln habe, lässt sich nicht verleugnen.

Frieden zu schließen ist mir bislang nicht gelungen.

Die satirische Monatspublikation ‘Titanic’ empfinde ich als ausgesprochen hoffnungsverbreitend, auch wenn sie mich nur sporadisch zum Lachen bringt.

Jahwe heißt ‘Ich bin’. Schließlich gilt es zu vermerken, dass ich den Tod als eine Art Befreiung empfinden würde.

Planung

Die Arbeit muss zur restlosen Selbstverständlichkeit werden. Hierbei kann es behilflich sein, sich eine Situation ohne Arbeit vorzustellen und die beiden Zustände im Geiste zu vergleichen. Eine 5-jährige Arbeitslosigkeit gehört zu meinem Erfahrungsschatz, da sollte es nicht schwer fallen, für die Arbeitsstelle dankbar zu sein oder sie mindestens ansatzweise zu schätzen zu wissen. Die Betreuung kann weiter rückgebaut werden. Ab März können allerdings regelmäßige Lauftreffen wieder ins Programm aufgenommen werden. Eventuell sollte versucht werden, eine mittelfristige bis längere Periode (ein bis zwei Monate oder das ganze Jahr) ohne Alkohol zu verbringen. Zumal in my humble opinion Alkoholkonsum gefährlicher ist als Cannabiskonsum. Wenn man allerdings sowieso schon ein gebranntes Kind ist, könnte eine gewisse Periode ohne Rauschmittel eine wertvolle neue Erfahrung werden. Kaffee als psychotrope Substanz lassen wir an dieser Stelle einmal unbedacht.

Die Experienced-Involvement-Fortbildung inklusiver zweier Praktika wird erfolgreich mit einem Zertifikat abgeschlossen. Danach kann ich über weitere Veränderungen nachdenken.

Bei weiterer Stabilität sollte die Medikation im Oktober 2014 auf

Zyprexa (Olanzapin) 10-0-10-0
Fluanxol 10-0-10-0

reduziert werden.

Ich habe keine Angst vor der Angst und lebe trotz vermerkten Gedanken im vorherigen Absatz gern.

new one

Sternzeit 1292,5

Das neue Sternenjahr hatte begonnen. Es wartete eine Menge Arbeit auf unsere Freunde im Windmühlenraumschiff. Das Interieur der Dark Shadow benötigte Pflege, Aufmerksamkeit und eine gründliche Überarbeitung. Also fingen sie beim Cockpit an, arbeiteten sich über die Lounge zum Delphinbassin vor und reinigten ihr Zu Hause von den unvermeidlichen Gebrauchsspuren. Auch im Erdgeschoss gab es etwas zu tun. Die Lebensmittelvorräte unterzogen sie einer gründlichen Inventur. Der Transporter erfuhr seinen jährlichen Funktionscheck. Das Kommunikations- und Informationssystem des Grizzly wurde upgedated. Der Delphin funkte die Fortschritte zur Mondbasis, auf der die Meilensteine der Mission festgehalten wurden. Als sie soweit waren, kochte der Octopus einen Kaffee. ‘Freunde der Nacht’, hob er zu einer Dankesrede an. Er hielt sich kurz. ‘Seit nunmehr mehreren Wochen sind wir gemeinsam im All unterwegs. Ein Jeder hat seine Aufgabe gewissenhaft erledigt, sonst ständen wir nicht hier. Lasst Euch danken, aber wir können es uns nicht leisten, zu feiern, darum gibt es heute leider keine coolen Drinks sondern nur einen Kaffee. Haut rein !’

Bernie hatte sich zurückgezogen. Nicht wegen des neuen Sternenjahres, er hielt sowieso nichts von diesem Quatsch, er wollte sich nur eben erden, indem er Kontakt zu seinem Bauch aufnahm. Der schwieg. Das nahm er als gutes Zeichen und haute sich eine Pizza in den Ofen. Da war ja einiges passiert. Er vermisste seine Tigerkäfig doch ein wenig, aber nicht genug, um nicht für die neue Aufgabe dankbar zu sein. Schliesslich schloss er sich noch mit dem Grizzly kurz, um ihm einmal einen Einblick in sein tierisches Bewusstsein zu geben. Hoffentlich würde der nicht durcheinandergeraten. Im Logbuch wurde vermerkt, dass sie sich jetzt seit mehreren Tagen im Orbit von Alpha Centauri befanden und das System genauer erforschen wollten. Der Ameisenbär sorgte sich etwas um den Delphin, der fand das allerdings ganz unnötig und war wieder guter Dinge. Auf die nächste Mission würden sie den Grizzly mitnehmen. Alle waren müde.

2013

2013 in 11 months average

in

546,90 ueg
232,69 pension
52,00 wg
—-
831,59

out

fix
347,50 rent
39,00 electricity
42,57 phone/dsl
3,69 incidentials
10,70 bank account
9,92 insurance
14,64 provider
—-
468,02

var
80,59 food
115,25 tobacco and papers
32,56 beer
30,30 essentials
38,43 nonsense
—-
297,13

out over all
765,15
—-
reality : a black zero

Mission X

Sternzeit 1291,1

Das Aussenteam, das aus der Giraffe, der Spinne, der Fledermaus und der Schildkröte bestand, hatte den Transporter startklar gemacht und war auf dem Weg. Da es sich um einen unbekannten Planeten der Klasse X handelte, brauchten sie ihre Raumanzüge, denn animalische Lebensbedingungen herrschten voraussichtlich nicht. Nach 2 1/2 Stunden Flug setzte der Transporter auf dem Granitboden auf. Die Dark Shadow war im Orbit von Alpha Centauri geblieben. Die Schildkröte verliess als erstes den Transporter und wäre fast auf die Klappe gegangen. Als alle vier den Planetenboden betreten hatten, orientierten sie sich als erstes optisch. Es gab weder Wald noch Wasser. Sie tauften den Planeten Hugo X, X wegen der unbekannten Planetenklasse. Also sammelten sie Gesteinsproben. Eine Flagge zu hinterlassen hielten sie für Schwachsinn. Der Sauerstoffvorrat war für eine kurze Mission berechnet worden also machten sie sich auf den Rückweg. Zischend und pfeifend erhob sich der Transporter und machte sich auf den Rückweg zum Mutterschiff. Über Komm-intern berichteten sie dem Octopus bereits über die Ergebnisse. Eine genauere Analyse würde später folgen. Als der Transporter ans Windmühlenraumschiff angedockt hatte, kletterte das Aussenteam langsam durch den Transitschacht. Der Ameisenbär begrüßte sie und sie hatten wirklich den Eindruck, dass alle sich freuten, wieder beisammen zu sein. Nun war es Zeit für Kekse. Als sie alle Ergebnisse schriftlich festgehalten hatten, versammelten sie sich ums Delphinbecken und aßen die Kekse, die die Maulwurfine gebacken hatte. Der Delphin lächelte schon wieder, also hatten ihm die nächtlichen Gespräche offensichtlich gutgetan. Der Frosch ging eine rauchen und nahm Kontakt zum Mondposten auf. Das Fahrzeug hatte sich nicht weiter bewegt. Also gingen alle schlafen. Bald würde ein neues Sternjahr anbrechen.

learning how to learn

Sternzeit 1290,4

Während des unkalkulierbaren Einflusses des schwarzen Loches hatten wir also unserem Grizzly beigebracht, wie man mit einem Bodum Kaffee kocht. Das war keine triviale Aufgabe gewesen, musste er doch erst lernen, wie man lernt. Wir hatten ihm Geschichten erzählt, gewiss, aber die mussten auch irgendwann in einen Algorithmus münden. Also dachten wir in etwa so :

– beschreibe das Problem so genau wie möglich
– zerlege das Probleme in kleinere Teilschritte
– finde heraus, wie man von einem Schritt zum nächsten gelangt.
– führe eine weitere Abstraktionsebene ein
– beschreibe die zu erfolgenden Lernschritte so genau wie möglich
– beginne mit dem ersten Schritt
– lasse die zu absolvierenden Lernebenen aufeinander aufbauen

Diese Methode war vielleicht nicht für schwerwiegende Transformationsaufgaben tauglich, beim Kaffeekochen jedoch hatten wir Erfolg gehabt. Lediglich Milch oder Zucker mussten wir noch selbst beisteuern. Da wir ja nun von Günther befreit waren, konnte also auch Bernie seinen schwarzen Kaffee wieder geniessen. Lediglich die Maulwurfine bereitete ihm doch erhebliches Kopfzerbrechen, war sie doch etwas abweisend geworden und unterhielt sich gern nächtelang mit dem Delphin. Das war gewiss eine wichtige Aufgabe, war doch sein Liebeskummer wieder durchgeklungen, aber Bernie dachte doch, sie müssten sich gegenseitig feedbacken. Also klinkte er sich heute Nacht einfach in das Gespräch ein. Die Dreierkombination machte es nicht einfacher. Im Morgengrauen hatten sie allerdings so lange gerungen, dass sie sich alle mit dem gebildeten Konsens zufriedengeben konnten. Für morgen Nacht würde die Maulwurfine ein weiteres Mal Kekse backen, und sie würden eine gemeinsame Botschaft in die Heimat absenden, um den Delphinkontakt nicht abbrechen zu lassen. Als die Fledermaus also am nächsten Morgen ihren Weckdienst versah, sah sie im Logbucheintrag den Wunsch der Dreiergruppe, nicht geweckt zu werden. Damit würde der Octopus sicher einverstanden sein, gab es doch auch soetwas wie psychosoziale Seelsorgeebenen. Wie gut, dass sie bald den ersten Planeten des Systems besuchen würden. Das würde auch etwas Abwechslung in die Mission bringen. Von Klasse-M konnte allerdings nicht die Rede sein. Die Mannschaft machte den Trabant-Transporter für morgen startklar. Die Motivation, das Vertrauen und die Sicherheit wuchsen von Tag zu Tag. Zudem wurde alles dokumentiert, das ging ihnen schon fast ein wenig auf den Senkel, der Octopus hatte sich allerdings mit dem Ameisenbär auf diese Vorgehensweise geeinigt und folgllich vertraten sie ihre Position nachvollziehbarerweise im Plenum. Sie waren Pioniere, das sahen alle so. Logmodus-off.

[black hole/black coffee]

Seit zwei Tagen befanden wir uns im Orbit von Alpha Centauri. Wir waren eine bunte Mischung. Bernie kochte einen Kaffee für alle. Der innere Schweinehund Günther lag tot am Boden. Wir erzählten und Geschichten, malten, lachten, aßen, tranken und tanzten. Wir waren wie befreit, weil alle destruktiven Persönlichkeitsanteile zusammen mit Günther gestorben waren. Nun waren wir frei, das zu sein was wir schon immer waren oder sein wollten, Mitglieder der Spezies ‘homo animalis’. Ein Glück war genug Kaffee da, wir erzählten unserer künstlichen Intelligenz den gesamten Produktionsprozess, angefangen von der Ernte der Kaffeebohnen, dem Rohstoffhandel, dem Transportprozess bis zum Gebrauch des Bodums. Bernie sprach sich dafür aus, künftig Trans-Fair-Kaffee zu benutzen.

Alpha Centauri

Sternzeit 1288,7

Der Octopus hatte sich einen Tee gekocht. Nicht mit Zackenplankton, einen einfachen indischen Tee. Unglücklicherweise war der Wasserkocher irgendwie mit dem Warpantrieb gekoppelt worden, das hieß für unsere 13 Freunde, dass sie sich unvermittelt in einem neuen Sonnensystem wiederfanden, auch wenn das grob geschätzt viereinhalb Lichtjahre entfernt war. Die Sonne hieß Alpha Centauri und sie würden einige Zeit brauchen, um die Planeten auf einen Klasse-M-Planeten zu untersuchen.

Günther: Alles Scheisse.
Giraffe: Kein Wald in Sicht.
Frosch: Mmmmh, endlich springen, mit allen vier Beinen.
Mücke: Vielleicht gibt es Humanoide, die menschliches Blut in sich tragen.
Ameisenbär: Merry Christmas and a happy new year.
Grizzly: Ich bin ja soo depressiv. Wie heisst dieses Gefühl ? Vielleicht Aachen ?
Delphin: Wo ist meine Freundin ?
Octopus: Dreh lauter.
Fledermaus: Hoffentlich beisst Ozzy Osbourne mir nicht den Kopf ab.
Maulwurfine: Lecker Kekse. Weisst du es auch nicht ? Das beruhigt mich ungemein.
Schildkröte: Wie war das im Mittelteil ?
Spinne: Wo ist mein Netz ? Grizzly, hilf mir !
Bernie: Lasst uns Sonnensegeln.

Plötzlich gab es Kaffee. Der Frosch rauchte eine. Die Maulwurfine ging mit dem Delphin vor die Tür, einige Alltagsprobleme abzukaspern, zum Beispiel, würde sie den Delphinfunk mitbenutzen dürfen. Die Dark Shadow befand sich im Orbit von Alpha Centauri und würde eine Weile dort bleiben. Eventuell ein ganzes Jahr lang. Okay, heute war Bernie mit Logbuch dran. Er schrieb einen Gruss an die Heimat, den Planeten Erde, der von Millionen oder Milliarden Tieren bevölkert wurde, nicht nur von…. Patienten. Kamera in Mondstation: Zoom auf das Fahrzeug. Für die Menschen war all das komplett unbedeutend, leider. Cu soon. Schlaf. Außerdem pflanzten sie Tabak an.