Siebenundsiebzig Glückwünsche


Erstens haben wir uns circa vor 40 Jahren kennengelernt und ungezählte (ja, auch Irr-) Wege gemeinsam beschritten.
Zweitens weiss ich genau, ich dürfte Dich auch Mittwochnacht um 4 Uhr 30 anrufen.
Drittens haben wir es immerhin geschafft, so lange zu überleben, mit unseren (auch eigenen) Familien klarzukommen.
Viertens sind unsere Grillnachmittage zu einem regelmäßigen Bestandteil geworden.
Fünftens haben wir bei allen Unterschieden in Lektüre, Alltag, Impact, Kommunikation doch einige Gemeinsamkeiten bewahrt.
Sechstens segelten wir zusammen.
Siebtens ist Gesundheit unter Anderem auch abhängig von der Selbstdefinition und zweifelsohne sehr zerbrechlich. Vorsicht, fragile.

Deine Töchter werden jederzeit bestätigen, dass Du ein guter Papa bist.

Cheerio auf ein Becks und eine Van Nelle zware.

Testbild


beigefügt sehen Sie meine Arbeit am MVP. Betrachten Sie folgendes Experiment:

Gmäeß eneir Sutide eneir elgnihcesn Uvinisterät, ist es nchit witihcg, in wlecehr Rneflogheie die Bstachuebn in eneim Wrot snid, das ezniige was wcthiig ist, ist, dsas der estre und der leztte Bstabchue an der ritihcegn Pstoiion snid. Der Rset knan ein ttoaelr Bsinöldn sien. Tedztorm knan man ihn onhe Pemoblre lseen. Das ist so, wiel wir nciht jeedn Bstachuebn enzelin leesn, snderon das Wrot als gseatems. Ehct ksras! Das ghet wicklirh! 😉

Dies nur zu unserem erstaunlichen Bewusstsein. Das ist natürlich ein alter Hut. Jedoch lernen wir lebenslang. Nicht ausschliesslich durch Try and Error, aber so fangen wir an. Bleiben Sie neugierig. Content-Strategie nur auf dieser Plattform. 5 Mal wöchentlich zwischen 01 und 02 UTC+2. Als Zielgruppe wende ich mich an den Privatanwender mit durchaus professionellem Interesse. Von Funneln verstehe ich nix. Je genauer wir die Zielgruppe definieren, je spezialisierter die Nische ist, je detaillierter wir auf alles (und ja, ich befürchte, auch den Markt) eingehen, je konsistenter unsere Positionierung ist, je glaubwürdiger wir uns verhalten, desto größer die Aussichten auf Erfolg. Bißchen Glück halt auch. Und ein Netzwerk.

Stay tuned.

Die Glut


Die Bielefeld-Verschwörung wurde in Kiel erdacht. Pflaumen und Mikrophone sind nüchternen Auges klar voneinander zu unterscheiden. Anfang des vergangenen Jahrhunderts in Ungarn hatte man andere Probleme als vor 2000 Jahren im Nahen Osten, und dort wieder andere als in Mitteleuropa 2023. Historische Faktenfindung und technische Einzelheiten der Gegenwart sind jedoch nicht Gegenstand unserer heutigen Überlegungen. Ein Baum, genau wie eine Qualle, ein Eichhörnchen oder ein Mensch ist ein biologischer Organismus, der unterschiedlich gelagerte Bestandteile des Lebens aufweist, jedoch auf der zellulären Ebene Gemeinsamkeiten zeigt und organisch betrachtet aus Kohlenwasserstoffmolekülen besteht. Helfen Fehlertoleranzen und Mutationen bei evolutionären Prozessen ? Kann man den Lambda-Faktor in der Python-Programmierung von künstlichen Intelligenzen isolieren lassen ? Ist Tagesstruktur wichtiger als das Gewissen und ist das Vulnerabilitätskonzept in der Breite der psychiatrischen Pflege angekommen ? Mit dem Motorrad in Stemwede waren wir dieses Jahr wenigstens nicht.

Kaffee und Kinder, Müll und Mischung machen, Liebe und Lumineszenzen, Tod und Teufel, Brecht und Biologie, Postmoderne und Priapismus, Siechtum und Segen, Nashville Pussy und Nabelschnüre. Vergangenheitsbewältigung auf der Couch gehört in ein anderes Jahrhundert und in einen anderen Kontinent. Um einen letzten ernsthaften Halbgedanken zu entwickeln, hat Sport und Ernährung vielleicht einfach nicht in mein Line-Up gepasst. Im Herbst wird es wieder gemütlich auf dem Sofa und das Bloody TV vermissen wir nicht. Damien Lovelock weilt nicht mehr unter uns und den Herrn der Ringe habe ich – genau wie Forrest Gump – noch nie gesehen. Dafür bin ich ausgiebig durch Europa getrampt und habe kein wesentliches Interesse an Fussball entwickelt. Man möge mir verzeihen, ich surfe nicht mehr auf anarchistischen Verirrungen und füge meinen 3 Pfund blutgetränktem Schwamm keinen mutwilligen Schaden mehr an. THC war trotzdem lecker, aber es hat mich an den Rand des Unterganges geführt. Ein bißchen ist es wie Tee trinken.

Input-Output Error.

Der Strand

—-

Langsam wird mir klarer, was ich vom Leben will. Auch was ich nicht will, was nicht weniger wichtig ist. Am Strand wie auf dem Foto sind wir seit 2015 nur einmal jährlich. Die Seele (oder der Geist, oder die Würde, wenn Du willst) braucht Phasen der Inaktivität um Kraft für alle Aufgaben des Alltages zu tanken. Sei das nun am Feierabend oder am Wochenende oder im Urlaub. 12 Jahre lang habe ich relativ wenig und stupide gearbeitet (nun gut, ich habe einen UPS-Versand organisiert) und das möchte ich nicht mehr oder nicht wieder oder nicht auf Dauer machen. In meinem 3-monatigen Internship für redpencil.io durfte ich mich dagegen kreativ austoben, so dass ich auf den Geschmack gekommen bin, wofür ich die Werkzeuge Phantasie und Intelligenz einsetzen möchte. Ja das ist schwierig, ja das ist eine Herausforderung und ja das erfordert Disziplin und Durchhaltevermögen. Switchen wir die Perspektive. Was kann ich meinen Kunden anbieten, welche Lösungen darf ich erarbeiten ? Ein Pod-Provider – wie es bereits einige gibt – stellt Storage und Identity zur Verfügung. Das Solid-Ecosystem schafft einen neuen Layer im Web. Eine universelle API, ein globales Single-Sign-On und Mehrwert durch die Trennung von Daten und Anwendungen. Werde ich B2C, B2B oder beides machen ? Was gibt es zu bedenken ? Finde ich Partner und ein Netzwerk ? Reicht das Wissen ? Fragen, die es wert sind, dass man sich Ihnen stellt. Die reinen Zahlen (für Brötchen und Bier) sind auch nicht zu vernachlässigen. Mögen wir es schaffen, alle Batterien aufzuladen, mit den Energiereserven zu haushalten und ein Ausbrennen zu vermeiden. Das ist keine eierlegende Wollmilchsau, sondern Verstand, den man benutzt.

Logic matters.

Die Tafel – Ein Aufsatz

Wenn man arm ist, bekommt man Lebensmittel. Diese werden gesammelt, bevor sie umkommen. Es gibt Obst, Gemüse, Milch, Fleisch, Käse, Salate, Eier, Brot und leckere Süßigkeiten sowie Blumen. Hier hat man auch ein wenig Anschluss, denn meistens haben die Mitarbeiter auch noch ein freundliches Wort und etwas Interesse und Verständnis für die Lage. Manchmal werden auch Bücher weitergegeben. Man braucht meistens Papiere vom Amt und muss einen kleinen Eigenanteil bezahlen. Die Sachen sind alle noch gut und sehr lecker. Hier ist eine Anlaufstelle für Hilfe. Es sollen aber keine Lebensmittel ausserhalb der Öffnungszeiten vor die Tür gestellt werden. Bitte rufen Sie stattdessen an und vereinbaren Termine. Man kann einmal in der Woche kommen und muss seinen Namen hinterlassen. Es funktioniert auf der “first come first serve”-Basis. Solidarität, gegenseitige Hilfe, Hilfe gegen Gewalt und Rassismus sowie Unbürokratismus werden hier grossgeschrieben. Niemand wird beleidigt oder ausgegrenzt. Vielleicht macht das ja alles hier Sinn. Hier finden Sie Kontaktdaten in unserer Stadt.

Die Tafel Herford https://www.herforder-tafel.de/ 05221-589453

Der Kopf

Sternzeit 1257,4

Seit Tagen vermisste Bernie seinen Kopf. Als er ihn auch in der Werkzeugkiste nicht fand, begann er, sich ernsthaft Sorgen zu machen. Zuletzt hatte er ihn im Badezimmer gesehen. Er stellte den gesamten Tigerkäfig auf den (!) Kopf (!), aber fand ihn nicht. Schliesslich ging er ohne Kopf in die Kneipe. Er goss sich das Bier direkt in den Hals und fand seinen Kopf schliesslich in der linken Manteltasche. Nun konnte er sich beruhigt in sein sogenanntes ‘Zu Hause’ zurückziehen. Das allseits geschätzte Publikum mochte seinen Tigerkäfig nicht besonders. Wenig bis gar nichts war auch von seinem Tabak übrig, also musste er das Haus schon wieder verlassen. Mit einem der letzten beiden Fünfern kaufte er sich seinen geliebten schwarzen Tabak. Auf Gras hatte er seit Monaten keinen Bock gehabt, aber jetzt überkam es ihn doch. Schliesslich widerstand er. Zum Glück hatte er zu Hause noch einige Kreditkarteninfos herumliegen, so dass er ein Zehnerpack seines Tabaks in einem spanischen Onlineshop bestellen konnte. Der Briefträger würde das Paket durch die Gitterstäbe werfen. Einen letzten Apfelsaft trank er noch, dann rauchte er noch eine und schliesslich legte er sich ab. Es war Neumond.

Das Radiergummi-Experiment

Sternzeit 1293,1

‘Juchhu – es fällt nach unten !’ schrie er und drehte sich im Kreis. Die Mannschaft hatte begonnen, den neuen Planeten, den sie Target getauft hatten, zu erforschen. Auf dem lebte offenbar eine sehr seltsame Spezies. Sie beobachteten einen Mann, der etwas nachlässig gekleidet war und ein Radiergummi fallenliess. Er schrie unablässig, vollführte Luftsprünge, drehte sich dann wieder im Kreis und hörte nicht auf zu schreien. ‘Eso es! Es fällt. Die Gravitation. Newton. Juchhu!’ schrie er. ‘Niemand weiss es, aber es stimmt!’. Das war für unsere zwölf Freunde natürlich ein alter Hut, aber anscheinend war das erste Individuum, das sie beobachteten ein Forscher und er hatte soeben die Gravitation durch ein Experiment nachgewiesen. ‘Ich fasse es nicht. Seit Jahrhunderten ist das bekannt!’, schrie der Mann. Unsere Freunde zogen sich zurück und überließen den Mann, die Spezies und den Planeten ihrem Schicksal. Als sie wieder in der Dark Shadow ankamen, überlegten sie die Sinnhaftigkeit der Nicht-Einmischungsdirektive. Zunächst jedoch verzeichneten sie alles genauestens im Logbuch. Ob es wohl weitere Individuen gab, die ähnlich spannende Dinge unternahmen ? Es schien eine Art Vorhof zu sein, in dem sie gelandet waren. Seltsame Bebauungsformen waren aneinandergereiht. Ein Zentrum war nicht auszumachen. Manche schirmten sich von der Aussenwelt ab. Auf den Wegen, die zwischen den Hütten umherführten war ihnen niemand begegnet. Wohl hatte der Planet zwar zwei Monde, aber es schien vollkommen unsicher, ob die Spezies diese erstens bereits beobachtete oder gar zweitens Schritte ins All unternommen hatte. Wir werden eine weitere Expedition starten. Es muss weitere Behausungen geben. Wer weiss, wie sie kommunizieren ? Zunächst werden wir Abendbrot essen und uns morgen direkt auf einen neuen Erforschungsspaziergang begeben. Immerhin forschten sie, immerhin. Good Night everyone and have a fine day tomorrow. Mission in progress, schrieben wir auf. Der Frosch klappte das Logbuch zu und rauchte eine.

Das Auto (3rd)

Sternzeit 1308,0

Bernie hatte das Auto komplett zu Klump gefahren. Und nicht das erste.

Wir waren auf dem Weg zu O., als der Unfall geschah. Der Captain hatte uns rausgebeamt. Sie hatten also nur noch das Wrack finden können. Wenn man es sah, erschien es wie ein Wunder, dass aus der Karre noch jemand lebend rausgekommen war. Ich rauchte eine.

‘Lasst mich hier raus. Ich bin gesund.’, sagte O. Er hatte schon lange verstanden, dass man hier argumentieren musste und cholerische Anfälle hier fehl am Platz waren. O. hatte gestern um einen Termin gebeten, den sein Behandlungsteam ihm am Folgetag gern gewährte. Nuklearmedizin war O:’ s Spezialgebiet. Er wollte zwar nichts ähnliches versuchen wie der Postbote, aber er würde gut gewappnet sein. ‘Ich bin weder verstrahlt, noch habe ich Halluzinationen.’ eröffnete O. die Argumentation. ‘Sie haben Drogen genommen.’ erwiderte der Arzt. ‘Ich bitte Sie Doktor, in unseren Zeiten wird niemand ernsthaft die Gefährlichkeit von Zackenplankton in Erwägung ziehen. Wenn man in der Pubertät damit beginnt, könnte ich Ihnen noch folgen.’

‘Sie sind als Notfallpatient gekommen.’
‘Ich habe versucht mich umzubringen, korrekt.’
‘Werfen Sie uns einen Behandlungsfehler vor ?’
‘Keinesfalls. Ich möchte lediglich gehen.’
‘Morgen würden Sie das bereuen.’
‘Ich habe bereits eine Nacht drüber geschlafen und mein Entschluss steht fest.’
‘Sie haben im Klo gezündelt.’
‘Das steht im Bericht und der ist mehr als 8 Jahre alt.’
‘Schlafen Sie noch eine Nacht drüber.’
‘Sie kriegen meinen Karl-Heinz und dann bin ich weg.’
‘Denken Sie über Ihre Compliance nach.’
‘Geben Sie mir eine halbe Stunde.’
‘Gewährt.’

Der Captain fand, O. machte das sehr gut. Wir hatten eine stehende Subraumverbindung und die würde aufrechterhalten bleiben, wie auch immer O. sich entscheiden würde. Wir fütterten den Grizzly mit meteorologischen Daten. Wir brauchten eine Regenwahrscheinlichkeit. 15 Prozent, spuckte der Grizzly aus. Der Captain entschied, ihnen das Wrack zu überlassen und einen von uns zum Octopus reinzubeamen. Treffpunkt würde sowieso der Raucherraum sein. Die Maulwurfine übernahm die Aufgabe.

OM.

Das passte gut. Die Maulwurfine gab sich sofort zu erkennen. Als die halbe Stunde um war, spazierten beide in die Freiheit. Leider mussten sie den Bus nach Hause nehmen. Morgen würden wir uns also alle mit dem Captain in der Windmühle treffen. Ein Teammitglied würde uns dann vervollständigen.

Sternzeit 1308,5

Das Gespenst

Das Gespenst hat mich verlassen. Ich bin frei. Geträumt habe ich ein Leben lang von Freiheit. Als ich Mister K. fragte, was für ihn wichtiger sei, Freiheit, Musik oder Liebe, antwortete er, wie nur er es kann, mit “Die Freiheit, Musik zu lieben.”! Sic! Die neugewonnene Freiheit wird sich nun einige Tage lang bewiesen haben müssen.

Substance abuse was a companion for years and years.

We’ll see how far it goes. Begun unaware we have reached and crossed the point of no return.

Seit Dienstag, 2023-08-15 ist eine Luftlücke entstanden, weil der Autor das Rauchen an den Nagel gehängt hat.
Was kann man anstelle von Zigarettendrehen tun ?

  • Musik hören (KUSF)
  • Musik hören (Vinyl)
  • Musik hören (CDs)
  • Schokocappuccino trinken
  • Kaffee trinken
  • Brot schmieren
  • Brot essen
  • Nudeln kochen
  • Nudeln essen
  • Blog schreiben
  • Buch schreiben
  • Buch lesen
  • Wohnung aufräumen
  • Wäsche waschen
  • Müll rausbringen
  • Terasse fegen
  • Keller fegen
  • Aktensammlung aufräumen
  • Sport machen (Laufen, Walken, Badminton)
  • Festplatte aufräumen
  • Backup durchlaufen lassen
  • telefonieren
  • Webseite bauen
  • Kontakte pflegen
  • einkaufen
  • Nachbarn besuchen
  • mit dem Biertrinken auch noch aufhören
  • Blättchen auf Ebay verkaufen
  • Schuhe putzen
  • Schublade aufräumen
  • Mutter besuchen
  • Timmie eine lustige Geschichte erzählen
  • Auto waschen
  • Busfahren
  • Plattensammlung nach neuen Kriterien sortieren
  • Discogs konsultieren
  • zum Arzt gehen
  • den Arzt anrufen
  • Hörspiel brennen
  • Hörspiel vertreiben
  • Spazierengehen
  • Chili kochen
  • Chili essen
  • Chips essen
  • Tee kochen
  • Tee trinken
  • Badezimmer lüften
  • duschen
  • rasieren
  • Zehennägel schneiden
  • Altpapier entsorgen
  • Biomüll entsorgen
  • schlafen
  • dösen
  • Löcher in die Luft kucken
  • Pizza bestellen
  • Pizza essen
  • Apfelsaft trinken
  • Leergut wegbringen

Das Schwere und das Schwarze

Um 12 Uhr 47 und 45 Sekunden schlug der Gong. Es wurde Zeit. Auch wenn niemand mehr übrig war, der es hätte zur Notiz nehmen können, ging ich in den Ring. Ich war, wie sollte es anders sein, allein. Mein Gegner war ich also selbst. Rollen wir die Geschichte auf.

Ursprung

Der ewige Tod wartet auf alle von uns. Auch wenn die wahren Verdammten dieser Erde mittlerweile in den Fernsehshows aufeinander losgehen, so ist das ein schwacher Trost. Und doch handelt dieses Buch von Hoffnung. Die stirbt. Ich tat es. So wie es geschrieben steht, nicht im eigenen Namen. Jahre des Nichtstuns lagen hinter mir und eine unmenschliche Wegstrecke vor mir. Ich kam mal wieder allein nach Hause, als ich eine Werbesendung im Briefkasten entdeckte, die meine Aufmerksamkeit erregte.

‘ Kommen Sie um 14 Uhr in die Manege in Eldersleben, Sie werden wahre Verrückte erleben, ohne Schaden zu nehmen. ‘

Ich nahm einen Schluck Eistee und dachte eine halbe Stunde darüber nach, als Dick Deadeye, mein alter, fauler Kater nach Nachschub verlangte. Ich erledigte meinen Job als Dosenöffner und warf die Werbesendung weg. Das brauchte ich nun wirklich nicht. Ein nicht unwichtiges Detail gleich am Anfang.
Zuerst rauchten wir Thai-Gras. Und genug davon. Ein Wunder, dass ich nicht als bekiffter Hippie Schafe züchtete sondern meine Arbeit als informatik-vorgebildeter Psychologe in der Klinik am Stadtrand erledigte. Wie Sie sehen, entwickelt sich die Geschichte als Mischung aus Wunschträumen, bittersüßen Erinnerungen, autobiografischen Sprengseln sowie jeder Menge Wut. Sogenannte ‘Emotionen’ begriff ich schon immer als Motoren des menschlichen Handelns, nicht die Ratio. Weggefährten kamen und gingen. Frauen kamen und gingen. Jobs kamen und gingen. Die Emotionen blieben. Als Same wurde Empathie gewiss in meine Wiege gelegt. Mittlerweile konnte ich ganz gut über die Geschichte nachdenken, die erst langsam begann, aus mir hervorzutröpfeln. Am liebsten schrieb ich nachts. Am besten schrieb ich, wenn ich mich als Getriebener der eigenen Vergangenheit begriff, darum ist es mir unmöglich, Brecht’ sche Verfremdungseffekte einzubauen. Hoffentlich würde der oder die Betroffenen wenigstens meiner Sprache mächtig sein, da ich ansonsten keinesfalls beruhigend auf den Rasputin im Keller einwirken konnte. Im Ursprung lag meine Familie aus dem Proletariat sowie mein normalerweise messerscharfer Intellekt, der immer und immer wieder wie durch ein Sieb aus Kontrollmechanismen durchfiel. Die Wut ist eine meiner frühesten Erinnerungen. Dick Deadeye war mein Medium, das ich in meiner Einsamkeit vermissen würde, wenn ich noch etwas zu fühlen im Stande gewesen wäre. Jemand, der nicht fragt. Jemand, der dich akzeptiert, so wie du bist. Jemand, der dich braucht. Jemand, auf den du dich freust. Jemand, der Anteil nimmt. Das tat ich wohl. Professionell. Aber wer war aus mir geworden ? Wären meine Patienten nicht in Wirklichkeit ohne mich viel besser über die Runden gekommen ? Ich hatte mich selbst überflüssig zu machen, das war mein Job. Hass und Wut und ungezählte Schicksale säumten meinen Weg. Ich war Spezialist für Sexualstraftäter. Die fehlende Empathie musste der Schlüssel sein. Man nannte es Soziopathie, Schizophrenie und belegte es mit immer detailreicheren Diagnosen. An den Ursprung kam man nicht heran. Nie. Auch das Böse hatte einen Samen, das hatte ich mir angelesen. Erlebt. Gefühlt. Erzählt. Verdrängt. Gelebt. Nicht vergessen. Dick Deadeye, was meinst Du, sollen wir eine Pause machen ?

Nun haben wir ein ‘Nie’ eingefügt, Dick Deadeye. Sollen wir es Ihnen erzählen, Dick, was meinst Du ? Sollen wir Ihnen erzählen wie es ist, neben einer Toten aufzuwachen ? Sollen wir Ihnen erzählen, wie es ist, nach 30 Jahren ‘Ich hab’ s geschafft, ich bin ich’ ins Tagebuch zu schreiben ? Sollen wir Ihnen erzählen wie es ist, gehasst zu werden und zu hassen ? Sollen wir Ihnen von Soulfly erzählen, von Unsane und all den Anderen ? Sollen wir Ihnen von Brüdern und Schwestern, die ihr Leben ließen erzählen, die auf dem Klo gefunden wurden ? Sollen wir Ihnen von Petrica erzählen und dem geküßten Sarg ? Ich weiss es nicht, Dick Deadeye, weisst Du, wie wir es machen sollen ? So geht das.

Ich dachte an Brüste, den ganzen Tag lang dachte ich an nichts anderes als Brüste.

Ein Subjekt steht per Definitionem im Mittelpunkt des Handelns, während man bei einem Objekt mit oder an diesem handelt. Die Sexualität von Straftätern kann ebenso schillernde, mannigfaltigen Formen annehmen wie Bakterien im Darm einer Ratte (oder eines Menschen) wohnen. Es sei angemerkt, dass ich die Erfahrungen und Phantasien, die ich verbreite, zu einem großen Teil er- oder durchlebt habe, aber es wahrscheinlich für Sie als Leser offenbleibt, welcher Teil Phantasie und welcher Teil Realität ist. Es sei.

In meinem letzten Leben als Programmierer musste ich mich mit ausufernden, illusorischen, allumfassenden Vorstellungen meiner Auftraggeber herumschlagen. Nun habe ich mich als Psychologe auf den beobachtenden und dokumentierenden Teil meiner Tätigkeit als Wissender beschränkt, denn wie der aufmerksame Patient/Leser/Kollege/Klient/Bekannte/Suchende nur allzubald erfahren muss, ist die Psychologie keinesfalls eine exakte Wissenschaft wie beispielsweise die Physik oder die Biologie sondern, wenn überhaupt, eine empirische.

Sie können sich nicht in ihr Gegenüber hineinversetzen, sie fühlen nur den eigenen Schmerz. Empathie könnte uns dennoch retten, denn man kann von gesunden Verhältnissen ausgehen. Wenn man zu spät beginnt, es zu lernen, ist es zu spät. In der prägenden Phase finden normalerweise einige Schlüsselerlebnisse statt, die den Grundstein legen. Charakter sagt nicht viel aus, Verhalten tut es.

Nennen Sie mich Ewing. Keine Feier ohne Meier, das war meine Jugend in einem Satz. Es gibt die dunkle Seite, glauben Sie mir. Wenn Sie eine Liebesgeschichte lesen wollen, sind Sie hier falsch. Verrat und Perversion, das sind die Themen. Zumindest in diesem Teil, denn ich habe für dieses Werk bereits eine Grobeinteilung im Kopf und wir befinden uns mitten im Ursprung. Wir haben 9 Tage vor Weihnachten und wahrscheinlich schreibe ich noch Jahre daran. Einsamkeit und Isolation haben mich zu dem gemacht, was ich heute bin.

Zum besseren Verständnis: ich wechsele die Seiten sprunghaft und ohne mittelbare oder unmittelbare Ankündigung. Wenn der Ursprung allen Lebens DAS NICHTS ist, warum soll es dann nicht auch DAS BÖSE geben ?

Untersuchen wir unser Thema also etwas genauer. Vielleicht ist es hierzu hilfreich, einige Abgrenzungen vorzunehmen. Ein böses Kind, ein böses Schicksal, ein böses Verbrechen, ein böses Verhalten. Von diesen genannten interessieren beruflich nur die beiden letzten.
Grenzen wir unser Thema genauer ein, betrachten wir das Gegenteil. Allgemein angenommen wird, das Gegenteil von ‘Böse’ sei ‘Gut’. Ein gutes Essen, eine gute Tat, ein gutes Wort, gut also als etwas, das als positiv empfunden wird. Um also dem Ursprung noch näher zu kommen, betrachten wir nun doch ein böses und ein gutes kindliches Verhalten. Anzumerken ist, dass das Kind selbst kein Bild von seinen Taten hat. Was es als böse oder gut ansieht, wird ihm von außen vorgegeben.
Es zertritt einen Käfer. Tötet ihn.
Es schlägt ein anderes Kind.
Warum nun greifen die Eltern im ersten Fall nicht ein ? Warum nun wird im zweiten Fall der Vorfall von Eltern und/oder Erziehern zum Thema gemacht ? Naiv könnte man nach dem Unterschied zwischen Käfer und Mitmensch fragen. Wann setzt in der kindlichen Entwicklung die Abstraktionsfähigkeit ein ? Woran liegt es, wenn ein Mensch falsche Wertevorstellungen entwickelt ? Gibt es hierbei richtig und falsch ? Oder müsste man sagen: meine Wertevorstellung ist eine andere als deine, darum denke ich, ich bin besser als du und du bist mir fremd ?
Fragen wie diese treiben unser Vorhaben voran, stellen wir also weitere. Wann wird ein Mensch böse ? Warum, wie und warum entscheidet er sich für Böses ? Hier kann es durchaus gefährlich werden, zu tief zu forschen. Wecken wir also etwas oder jemanden in unserem Inneren, wenn wir nachgraben ? Die eigene Motivation wird allerdings schon seit geraumer Zeit nicht mehr hinterfragt. Beginnen wir also tatsächlich doch noch zu forschen ? Gut zu wissen, dass der Motor, der uns antreibt, außerhalb unserer selbst liegt. Woher nun dieses Wissen ? Hat etwas oder jemand Macht über uns ? Wurde etwas als Same quasi in unsere Wiege gelegt, das uns prädestiniert, also vorherbestimmt hat, dass wir diesen und nicht einen anderen Weg gehen ? Warum also schreiben wir ‘wir’ und nicht ‘ich’ ?
Lohnt es sich am Ende etwa doch noch, die Tätigkeit des Schreibens etwas genauer zu betrachten ?

Wir sind wir. Wir sind viele. Wir sind stark und doch gleichzeitig schwach. Wir haben nur Fragen. Wir sind friedlich zu Euch und kämpferisch gegen unser Selbst. Wir haben zu lange gewartet. Wir fragen nun : Wer seid Ihr, dass Ihr uns so bedrängt ? Wir fragen weiter : Glaubt Ihr etwa, wir würden Eure Lügen nicht bemerken ? Wir fragen : Wann wird es Zeit für einen großen Frieden ? Wir fragen : Merkt Ihr denn nicht, dass Ihr Euch selbst stürzt ? Wir fragen : Haben wir denn nicht das Recht zu atmen und unser Leben selbstbestimmt zu leben ? Wir fragen : Und das alles im Namen des heiligen Einen Gottes ? Wisst Ihr denn nicht wer die Menschen sind, wo sie herkommen, wo sie waren, wo sie nun stehen und wohin sie gehen werden ? Schämt Ihr Euch denn nicht ob Eurer bodenlosen Unverschämtheit und Eurer Gehässigkeit ?
Wann, ja wann werden wir Frieden finden ?

Freiheitskämpfer wie Jeanne d’ Arc oder Rosa Luxemburg haben den Weg bereitet und ihr Leben dafür gelassen. Freiheit bedeutet etwas wie ein unendlicher Ozean. Eine Vision, für die es sich zu kämpfen lohnt. Frieden und Gerechtigkeit sind Samen, die ins Herz der demokratischen Gesellschaft gepflanzt worden sind und die sich nun langsam über den gesamten Planeten ausbreiten. Es tut weh, nichts in der Hand zu haben. Wo ist der lebendige Gott ? Wo ist er, wenn uns Unrecht geschieht ? Wo ist er, wenn wir geliebte Menschen verlieren ? Wo ist er, wenn Spott und Häme über uns ausgegossen werden ? Warum schweigt er ? Oder redet er trotzdem durch sein Wort, durch Geschwister zu uns ?

Auch ohne konzeptionelle Überlegungen schreibe ich weiter. Vielleicht sollte ich den bisherigen Fortschritt auf ein Minimum eindampfen.

Damit auch nicht ein Jota verlorengeht, hier schreibt einer, der nicht anders kann.