Zweifel

So hatten wir also den Samen des Zweifels in Horst’ Bewusstsein eingepflanzt. Er zweifelte nicht direkt an seiner geistigen Gesundheit, nein, das nun gerade nicht. Aber sonst gab es nur sehr wenig, an dem er nicht zweifelte.

Horst hatte die alte Windmühle besucht. Sie schien ihm Zeugnis aus einer vergangenen Zeit zu sein, irgendwo zwischen dem dreizehnten und sechzehnten Jahrhundert. Manchmal trafen sich Paare dort, um zu heiraten. An diesem Tag kam sie ihm wie ein Raumschiff vor, die Flügel drehten sich und es rumorte in ihrem Inneren. Leise, mahlende Geräusche drangen an sein Ohr. Eines Tages würde er es wagen und sie betreten, aber heute, nein heute war nicht der richtige Tag dafür. Er machte sich auf den Nach-Hause-Weg.

Zu Hause angekommen setzte er sich vor seinen Schreibtisch und erledigte die liegengebliebene Steuererklärung für das vergangene Jahr. Es folgte eine halbe Stunde Müßiggang bei Kaffee, bevor der Postroboter ihn aus seinen Gedanken riss. Der neue TFT war angekommen. Er verkabelte alles ordnungsgemäß und fuhr das System hoch. Kommilitonen hatte er nicht, er war eine Art Einzelkämpfer und experimentierte mit künstlichen Intelligenzen herum. Wir hatten ihn ordentlich durcheinandergebracht mit unseren Ideen, so dauerte es seine Zeit, bis er die neuesten Erkenntnisse implementiert hatte.

Den Rest des Tages ließ Horst ungenutzt verstreichen. Lediglich die Logfiles kontrollierte er noch.

strange

In all den Jahren ever since hatte Horst dazugelernt, vielleicht nur graduell, aber immerhin. Nun war er also Gefangener seiner eigenen Vergangenheit. Er wandte sich nicht mehr an Ärzte. Der Hölle entkommen hatte er nun also so etwas wie ein eigenes Leben. Das Bergwerk war der Ort, an dem er tagsüber rauchte. Das System hatte allzu gründlich von ihm Notiz genommen, sogar ein richterlicher Bescheid über seine Betreuung lag vor. Versetzen wir Horst also in die Lage, mit seinem heutigen Wissen in die Vergangenheit zurückzukehren, was würde passieren ? Man weiß es nicht. Der Flashback gestern Nacht war so etwas wie eine Vorahnung davon, was ihn erwartete. Unzählige Filtermechanismen wirkten in seinem Kopf. Und die Filter waren ausgefallen, praktisch das ganze Universum war durch ihn hindurchgeflossen, man kann nicht mehr sagen ob in einer einzigen Nacht oder in Monaten.

Aktives Abgammeln zählte zu Horst ungewöhnlichen Hobbies. Auch mit der Hygiene nahm er es nicht allzu genau. Er hatte etwas erlebt, das Kurt Vonnegut mit Akkulturation umschrieb, sowie Science Fiction gewissermaßen prägend für ihn gewesen war. Heute vormittag war er also vollkommen zweckfrei spazieren gegangen. Inzwischen knabberte es ihn nicht mehr an, wenn er Sirenen oder Glockengeläut hörte. Die frische Luft hatte uns gutgetan, wir hielten sein Immunsystem intakt und sorgten für die richtige Balance. Der Chef hatte uns gut instruiert, wussten wir also mittlerweile, was wir ihm zumuten konnten und was nicht. Gegen den allseits üblichen Erreichbarkeitswahn hatte Horst im Prinzip nichts einzuwenden, wenn es so einfach war, sich ihm zu entziehen.

Stunde um Stunde verbrachte Horst mit Nichtstun. In der Zwischenzeit piesakten wir ihn etwas, so dass sein Gewissen sich meldete und er endlich zur Kenntnis nehmen musste, dass noch Wäsche gewaschen werden wollte. Nein, tiefschürfende Fragen waren es nicht, die ihn bewegten. Er neigte halt lediglich dazu, die Sinnhaftigkeit des Bergwerkes in Frage zu stellen. Gewiss, es war ein unkündbarer Arbeitsplatz und besser als vierundzwanzigsieben in den eigenen vier Wänden, aber das machte es ja nicht erträglicher. Also beschäftigte er seine grauen Zellen mit etwas anderem. Dafür waren Teile von uns ihm durchaus dankbar.

Und wie Horst fluchen konnte, wenn ihm ein Missgeschick widerfuhr. Gewöhnlich lag das an seiner eigenen Unzulänglichkeit, gewiss, aber das machte es in der betreffenden Stunde nicht erträglicher. Oh, manchmal schien es gar, wenn er einen triftigen Grund zu fluchen hatte, war er erst in seinem eigentlichen Element, so wie vorhin, als er den TFT schrottete, weil er beim Wäschetonne entfernen nicht daran gedacht hatte, dass der TFT lediglich angelehnt war. Das sahen wir ihm nach, aber nicht alle wären mit seinem Verhalten einverstanden gewesen. Heute nacht würden wir ihm einen wunderschönen Horrortrip bescheren. Ob luzide oder nicht bedarf noch einer finalen Abstimmung.

Horst

Normalerweise ist es dunkel, aber wir haben auch keine Augen in dem Sinne. Wir sind viele. Ein paar von uns leben im Mund, ein paar im Magen und im Darm, ein paar in den Adern, einige gar im Gehirn und der Blutkreislauf würfelt uns regelmäßig ordentlich durcheinander. Wir sind die unsichtbare Schutztruppe, die für die hormonelle und biochemische Gesundheit unseres Wirtes sorgt. Wir hatten uns immer vorgestellt, unser Wirt sei männlich, weiß und etwa 30, aber so genau wissen wir das natürlich nicht. Nennen wir ihn an dieser Stelle einfach einmal Horst.

Er tat einiges, um uns auf Trab zu halten, das muss man sagen. Horst hatte heute eine große Menge Alkohol zu sich genommen, so dass wir einiges zu tun hatten, um diesen feindlichen Stoff wieder abzubauen. Er war auf dem Sofa eingeschlafen und wir hatten alle Hände voll zu tun. Molekül für Molekül wandelten wir um. Nein, maßvoll war das nicht gewesen. Wenigstens hatte er sein Essen bei sich behalten. Im Kopf waren einige von uns dabei draufgegangen. Wenn uns jemand gefragt hätte, hätten wir von einer richtigen Vergewaltigung des Körpers berichten müssen. Während Horst also seinen Rausch ausschlief, arbeiteten wir wie die wilden. Morgen würde er mit einem Kater erwachen, einen Kaffee und eine Zigarette zu sich nehmen, unter die Dusche gehen und sich dann an sein Tagwerk machen.

Wir nahmen unseren Auftrag sehr ernst, hatten wir doch für das richtige Gleichgewicht zu sorgen und dafür, dass Horst nicht noch mehr Mist machte als unbedingt notwendig oder dass wenigstens sein Körper keinen größeren Schaden davontrug. Nachmittags war der Blutalkoholwert wieder im grünen Bereich. Wir sind so etwas wie die Feuerwehr. Während die Welt feierte, haben wir gearbeitet. Einige von uns konnten Horst immerhin so weit bringen, dass er am übernächsten Tag joggen ging. Da feierten die Endorphine eine richtige Party im Kopf. Während der anschließenden Dusche gingen einige von uns verloren. Beim folgenden Spiegelei bekamen wir endlich wieder Arbeit. Sogar wenn Horst schlief, waren wir aktiv. Wir bauten ihm Bilder, einen richtigen kleinen Film des vergangenen Tages ließen wir in seinem Kopf ablaufen.

In der Regel sind wir gut organisiert. Wo unsere Schaltzentrale sich befindet, ist nicht so leicht auszumachen.
Wir kommunizieren in etwa so wie Ameisen oder Bienen. Eine Schwarmintelligenz. Horst war sich noch nicht einmal bewusst, wieviel er uns zumutete. Niemand weiß, ob er überhaupt unsere Anwesenheit erahnte. Mangel an Vitamin C war nicht das primäre Problem, so würde Horst wenigstens nicht an Skorbut sterben. Nun, gewiss trank er zu viel Kaffee und rauchte zu viel. All das bedeutete eine Menge Arbeit für uns. Wir hielten den Laden jedenweils so weit ganz gut am Laufen, denn wirkliche Drogen nahm Horst nicht mehr zu sich. Wir sind schon ganz gespannt, was er sich als nächstes einfallen läßt.

Temporäre Verschiebungen sind eingetreten. Ein Flashback schüttelte Horst heute nacht. Oh was liefen da nur für komische Filme. Allein war Horst ins Bett gegangen, allein stand er wieder auf. Er arbeitete in so etwas Ähnlichem wie einem Bergwerk. Am Konsum von psychoaktiven Substanzen konnte es nicht liegen. Wir hatten ihn nach Stunden wieder so weit, dass er eine Mahlzeit zu sich nehmen konnte. Danach wurde er regelmäßig müde. Uns dünkte irgendwie, wir müssten uns eine Lektion für ihn einfallen lassen.

Wir schlossen uns mit dem Herrn des Universums kurz und der sandte uns ein Gehirnrindenkribbeln. Ein ganz leises nur, das Horst nur erahnen konnte, als er über die Straße ging und eine Sirene hörte. Aber es hatte gereicht, er war verunsichert. Als hätten wir ihm ein paar Antennen rausgezogen, bombardierten wir ihn fortan mit Denkanstößen. Wir mussten aufpassen, dass wir nicht übers Ziel hinausschossen. Nun wurde ihm also langsam bewusst, dass er auf der Suche war. Nein ihm war nicht wirklich klar, wonach. Langsam hatten wir ihn so weit, dass er Hilfe annahm. Ein Spaziergang, ein Kaffee, eine Zigarette, ein Gespräch. Er hatte angefangen. Seine biologische Familie schien ihm nicht der richtige Ort zu sein.

Fünfzehn Jahre später würde er darüber mit dem Kopf schütteln, dass diese Reise zu dem unbekannten Ziel so leise und langsam angefangen hatte. Doch heute wusste er davon nichts. Er begann, sich zu strukturieren. Er machte Trinkpausen. Er ließ seine Mitmenschen gewähren, wenn sie denn unbedingt untergehen wollten. Er suchte sich eine neue Familie. Er las. Er betete. Mit Meditation konnte er nichts anfangen. Gewiss, er hörte laute Musik und war cholerisch, aber er begann, zu unterscheiden zwischen Dingen, die er ändern konnte und Dingen auf die er keinen Einfluss hatte. Das war ein Anfang, klein genug.

Holy Shit, nun feiern sie also. Fröhliche Katerstimmung wünscht Ewing. Aber wollen wir mal keine Spassbremse sein.
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Ruckelnd erhob sich die Dark Shadow in die Lüfte. Wir hatten uns nach bestem Wissen und Gewissen vorbereitet. Der Ameisenbär hatte die Delphine nochmal ins Gebet genommen, aber schliesslich konnte auch er verstehen, dass sie lieber den Rest der ihnen bleibenden Zeit in Freiheit verbrachten. Als wir mitten über dem Pazifik waren, synchronisierte der Grizzly nochmal mit der Mondbasis. Auch der Captain hatte gute Wünsche für die beiden dagelassen. Wir näherten uns der kubanischen Küste und gingen in Sinkflug. Dann wasserten wir, wohlbemerkt ausserhalb der Zwölfmeilenzone. Die beiden Delphine sprangen voller Freude nach draussen. Nach einigen Luftsprüngen und Salti zogen sie schliesslich von dannen. Mission erfüllt. Der Grizzly hatte sie nochmal auf den neusten Stand gebracht, so dass keinerlei politische Verwicklungen zu erwarten waren. Wir starteten wieder durch, Richtung Heimat. Die Spinne vermerkte alles im Logbuch. O. verkniff sich sein geliebtes Kraut heute einmal.

donnerkeil über rund end – Stimmenrausch 2014-12-24

**Jean Racine*, zum 375sten; *Manuel do Nascimento*, zum 280sten; *Tadeusz Boy-Żeleński*, zum 140sten; **Ivan Blatný**, zum 95sten; *Ove Sprogøe*, zum 95sten; *Gottfried Böttger*, zum 65sten;****Julie Delpy**, zum Geburtstag; *Marguerite de Navarre*, 465ster Todestag; *James Parkinson*, 190ster Todestag; *Erduin Julius Koch*, 180ster Todestag; *Carl van Vechten*, 50ster Todestag (21. Dezember)
*Hermann Samuel Reimarus*, zum 320sten;***Minna Specht*, zum 135sten; *Gustaf Gründgens *(115); *Irina Wjatscheslawowna Rakobolskaja*, zum Geburtstag; *Hugo Loetscher*, zum 85sten; *Manni Burgsmülle*r, zum 65sten; **Christian Liebig**, zum 60sten; ***Ma Rainey***, 75ster Todestag; *Olga Körner*, 45ster Todestag; *Josef von Sternberg*, 45ster Todestag (22. Dezember)

“So you see, my dear Coningsby, that the world is governed by very different personages from what is imagined by those who are not behind the scenes.”*

Benjamin Disraeli* (280); z.n.w.

“Don’t go on American Idol, I think you’ll spend the rest of your life living it down and I think it’s getting kinda scary, isn’t it?”*

Joe Cocker *

There’s nothing in the saints and sages
To meet the shafts her glances had,
Or such as hers have had for ages
To blind a man till he be glad,
And humble him till he be mad.
The story would have many pages,
And would be neither good nor bad.
*
Edwin Arlington Robinson*, zum 145sten; in: “The Unforgiven”, from: /The Man Against the Sky: A Book of Poems/

“The sun shone, having no alternative, on then nothing new.”*
*”Poets are the sense, philosophers the intelligence of humanity.”
“No, I regret nothing, all I regret is having been born, dying is such a long tiresome business I always found.*”

Samuel Beckett*, 25ster Todestag, common

trotz oder wegen kalenderbedingter übellaune…
ich bin nicht der einzige, der panik schiebt,
denn, with a little help from my friends…
ist hierzunieden wohl kaum mehr was zu retten.
da ist euch die letzten tage so einiges erspart
geblieben, wie eben heute a.g.a. (Cocker) mein
schmieriger nachruf auf u.j. bockelmann. na klar,
bin ja auch nur “ein geistig verwirrter einzeltäter”.

*Sonnabend, 27.* Dezember um 21 Uhr

Sondergastspiel

*Bob Rutman*

http://www.rutman.de/main.html

Eintritt frei!

Kulturspelunke
*Rumbalotte continua *
Metzer Straße 9
Berlin-Prenzlauer Berg

Und Einen auf *Joe Cocker* !

Und lange möge es noch dauern,
bis ihr einen nehmen werdet auf
stimmenrausch – fluctuat, nec mergitur !

*Hinweis von*
*Stimmenrausch gesch. Marke des Büro für Gute Worte**
Literatur- Text- Veranstalter- Presse- Online- Agentur**
Tel.:XXXXXXXXX E-Mail:pfeifer@stimmenrausch.de*
*
Olympia NO!*
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Büro für Gute Worte – Abo pfeifer[at]stimmenrausch[dot]de

büro / blogpfeife no. 1n

der bettboxer ging k.o.

wenn das leben mit sex&zechzick anfängt,
dann ist schwulstpoet & kitschkomponist
udoachzickin pubertierender adoleszenz
“von uns gegangen” und hat “das zeitliche
gesegnet”, wie es der gemeine radioeins-
moderator so beflissen von sich gibt.

de mortuis nil nisi bene –
das besorgt schon das popmainstreaming.
der stimmenrausch – fluctuat, nec mergitur –
darf sich lustig machen, über einen ösi, der
schließ&endlich mal ein guter deutscher war,
als blueprint eines steuerflüchtlings, macho
mit oberdämlichem sexistengequatsche und
teenieficker auch von unserem leutseligsten
bundesoberpräses betrauert, staatswürden-
träger über uns und unter sich.

max pfeifer

cuba

Wir schrieben den fünften Janeiro des Sternjahres 1005x. Das Zentrale Verzeichnis quantitativer Banalitäten hatte seine Arbeit wieder aufgenommen. Bernie dagegen – nun – er war freiwillig in seinen Tigerkäfig zurückgekehrt, auch wenn er irgendwo in seinem Bewusstsein die Mannschaft doch irgendwie vermisste. Nachdem er sich rasiert hatte, öffnete er sich einen Apfelsaft. Da erreichte ihn eine Nachricht vom Delphin. ‘Sind wieder vereint. Würden gern ausgewildert werden. Benötigen Hilfe.’
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Flash
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Der Forscher hatte eine Küstenregion vor Kuba ausgemacht. Dorthin würde die Mannschaft die Delphine bringen. Maurie hatte Interviews mit allen Beteiligten geführt und das schien die beste Lösung zu sein. Der Ameisenbär hatte sich das göttliche Okay eingeholt und las mal wieder eine Geschichte vor, als die Maulwurfine niesen musste. ‘Bless you’ rief O. Der Grizzly hatte alles durchgerechnet, es schien eine spannende Reise zu werden. Die Dark Shadow startete.
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Flash
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Auch auf der Mondbasis wurde die aktuelle Reise mit Neugier verfolgt. Die Besiedelung war gut vorangeschritten. Der Captain wünschte der Dark Shadow alles Gute und ging in den Feierabend. Die Nachtwachen waren eingeteilt. In der Offiziersmesse bestellte der Captain eine Frikadelle und einen Whiskey-Cola. Die Flagge hatten sie durch die Flagge der Collective Evolution ersetzt. Alles wurde festgehalten, das schien technisch kein größeres Problem darzustellen.
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Nichts wünschte sich der Frosch mehr als eine Zigarette. Nachdem er den Logbucheintrag vervollständigt hatte, gönnte er sich endlich wieder eine.