Erste Schritte

Sternzeit 1285,2

Die Luke öffnete sich sehr langsam. Das erste Erforschungsteam, das aus dem Frosch, der Spinne und der Schildkröte bestand, verließ in Raumanzügen die Dark Shadow und betrat den Mondboden. Die Luke schloß sich wieder hinter ihnen. Der Octopus gab über Kommintern die Befehle vor. Heute lautete die erste Aufgabe lediglich, das Fahrzeug der Amerikaner zu orten, auf Funktionsfähigkeit zu überprüfen und einige Gesteinsproben einzusammeln. Hey – aber was war das ? – das Mondfahrzeug fuhr eine Wende von 180° und das Kameraauge fixierte unser Außenteam genau. War es möglich, dass sie sich gegenseitig beobachteten und also die Bilder vom Frosch, der Spinne und der Schildkröte ins U.S.-Zentrum in Cape Canaveral übertragen wurden ? Der Octopus entschied, das Mondfahrzeug nicht weiter zu beachten und das Team mit den Gesteinsproben ins Windmühlenraumschiff zurückzubeordern. Die Schwerkraft betrug etwa ein Sechstel der gewohnten Erdschwerkraft und die Schildkröte hatte es nicht schwer, einige Brocken Gestein einzusammeln. Erneut öffnete sich die Luke und die Dark Shadow nahm ihre Passagiere wieder auf. Als sie sich aus den Anzügen geschält hatten, musste der Frosch erstmal eine rauchen. Der Grizzly analysierte das Gestein. Wie war es ? Hatte die Beatmung gut geklappt ? Wie geht es sich ? Die Mücke hatte Fragen an die Schildkröte. Stoisch antwortete sie : ‘Alles wie üblich. Keine Besonderheiten. So eine Mondlandung bringt mich doch nach all den Jahrzehnten nicht mehr durcheinander.’

Bernie stand am Herd und briet Eier. Der Grizzly hatte außer eingen Mikroben, die man wirklich nicht Leben nennen konnte, nichts gefunden. Der Delphin funkte die Ergebnisse nach Hause. Der Ameisenbär dankte und dann aßen sie zu Abendbrot. Wie würden sie weiter verfahren ? Der Octopus entschied, einen neuen Außenposten zu gründen und dann die Reise fortzusetzen. Der Außenposten würde nicht besetzt sein und remote gesteuert werden. Zunächst wurden jedoch die Ereignisse im Logbuch vermerkt und dann gönnten sie sich eine Mütze Schlaf. Die irdischen Delphine konnten es gar nicht glauben, dass dort, wo von der Erde aus nur ein halber Mond zu sehen war, ihr Freund und Bruder in einem Bassin und zwar in einem Windmühlenraumschiff weilte. Für den Delphin jedoch war alles komplett unspektakulär. Er las ein Buch, machte einen Sprung und hielt dann den Grizzly bei Laune. Der hatte nämlich seit neuestem so etwas wie Emotionen entwickelt und verweigerte von Zeit zu Zeit die Arbeit. Morgen würden sie in die nächste Phase eintreten.

Landeanflug

Sternzeit 1284,7

In enger werdenden konzentrischen Kreisen begannen unsere Freunde heute am frühen Morgen den Landeanflug. Der Frosch hatte alle wie vereinbart geweckt. Und sie alle waren aus ihren Federn gekrochen, auch wenn der Glühwein noch dem einen oder anderen in den Knochen gesteckt haben mag. Jedenfalls war die Aufgabe wohl wichtig genug, so dass alle gut motiviert waren. Wie bereits seit Tagen übertrug der Grizzly die Bilder von der Mondoberflache. Die Spinne saß an der Kommunikationseinheit. Die Maulwurfine kümmerte sich um den Delphin, der etwas nervös war. ‘Phase 4’, befahl der Octopus. Die Schildkröte schaltete den Rückschub ein. Langsam näherten sie sich dem Boden. ‘Phase 5 einleiten!’ Der Ballon zur Pufferung und zur Sicherstellung einer sanften Landung wurde aufgeblasen. Dann setzte die Dark Shadow auf dem Boden auf. ‘Wir werden noch einen Tag lang im Beobachtungsmodus verharren.’ sagte der Octopus. Also würden sie ihre Neugier auf das neue Terrain noch etwas zügeln müssen. Lebenszeichen gab es jedenfalls keine, lediglich die amerikanische Flagge hing still in Sichtweite. Die Schwerkraft würde um ein Vielfaches geringer sein als auf der Erde. Der Ameisenbär rief alle zur Mahlzeit. Er hatte heute wieder einmal Calamaris vorbereitet. Auch wenn alle anderen das ziehmlich sinnlos fanden, hatte der Ameisenbär beschlossen, auch die Mahlzeiten ins Logbuch aufzunehmen. Der Delphin sprang einen halben Meter hoch aus dem Wasser. Nach dem Abschluss der Mahlzeit vermerkten sie noch ‘Phase 5 geglückt. Landung erfolgt.’ und begannen mit einem Kartenspiel. Noch früh genug würden weitere, schwierige Aufgaben auf sie warten. So also sah der Mond aus. Die Erdkugel war von weitem sichtbar und sah sehr zerbrechlich aus.

Bier, Bräute und ‘ne Badewanne

Sternzeit 1293,3

Bernie, unser Biberratteneichhörnchen machte sich ein Bier auf und ging mit der Maulwurfine zusammen zum Delphin in die Badewanne. Zu dritt machte es bedeutend mehr Spass als allein. Blub, blub. Um nun nicht in Albernheit abzudriften, sei erwähnt, dass der Ameisenbär dies nicht im Geringsten komisch fand und einen mahnenden Eintrag im Logbuch verzeichnete. Der Octopus drehte sich eine und stellte die Zeitschaltuhr der Zackenplanktonplantage neu ein. Auf delphinisch trudelte eine neue Meldung ein. Die zu-Hause-gebliebenen Kollegen sandten eine Warnung. Unser irdisches Klima ändert sich. Was, wenn wir den Mond besiedeln müssen ? Wir hatten die Atmosphäre verlassen und befanden uns im Orbit der Erde. Der heutige Psalm besagte, dass wir im Dunklen nicht allein wandeln mussten. Das half uns kein bißchen weiter. Die Maulwurfine stieg aus der Wanne und umhüllte ihren Körper mit einem Handtuch. Bernie war froh, dass er dem Delphin den Rücken schrubben konnte. Die Spinne und die Fledermaus setzten einen Glühwein auf. Die Mücke wusste sogar genau, welche Gewürze sie benutzen mussten, um einen weihnachtlichen Geschmack zu erzeugen. Als der Ameisenbär die Richtung bestimmen wollte, beschloss der Octopus, in die Umlaufbahn des Mondes einzuschwenken. Das künstliche Kraftfeld war vom Grizzly aufs Genaueste berechnet worden. Sie setzten sich zusammen. Nun war es leider so, dass die Giraffe keinen Alkohol vertrug und der Ameisenbär Gefahr lief, von seinem früheren Leben als Konsument eingeholt zu werden. Also beschloss er lediglich, sich in seine Koje zurückzuziehen, denn ob alle anderen von dem Zackenplanktonglühwein konsumieren würden, konnte nicht beeinflusst werden. Der Octopus legte etwas Dub auf. Das erschien ihnen allen wie eine Zeitreise. Zum Ende des Jahres würden sie auf dem Mond gelandet sein, das war nun Mal sicher. Der Grizzly übertrug bereits die Bilder von der Mondoberfläche. Natürlich stand die Flagge noch, sie bewegte sich allerdings nicht ein Stück. Zur Herzerfreuung und aus Langeweile warfen sie alle ihre Schuhe in die Mitte und jeder zog zwei Neue, egal, ob sie zusammen passten oder nicht. Dann würfelten sie aus, wer morgen früh Weckdienst haben würde. Der Frosch, den das Los traf, vermerkte die Uhrzeit der Auslosung im Logbuch und alle legten sich ab. Die Musik erstarb. Auch die Kerzen löschten sie. Der Grizzly lief über Nacht und unternahm die weitere Berechnung der bevorstehenden Landung.

Start mit Hindernissen – Start with problems

Sternzeit 1292,1

Einer nach dem anderen erklommen sie die Leiter zum Windmühlenraumschiffbedienungsdeck, zuerst der Frosch, der von Stufe zu Stufe hüpfte, dann Bernie und die Maulwurfine, Günther schwebte wie ein Damoklesschwert über allen, dann der Octopus, der zum neuen Kapitän gewählt worden war, die Giraffe, die Fledermaus und die Spinne, die Schildkröte, um deren Kopf die Mücke kreiste und zum Schluss der Ameisenbär, der die Grizzly-K.I. im Schlepptau hatte. Der Octopus hatte das Manual gewissenhaft studiert und wusste, was zu tun war. Gerade, als sie den ersten Probelauf beendet hatten, meldete sich die Grizzly.K.I. : ‘Hier spricht der Delphin. Ich habe wichtige Details zu unserem Auftrag. Ihr müsst mich mitnehmen.’ Also zimmerten sie aus dem vorhandenen Material ein Schwimmbassin und füllten es mit Wasser. Der Octopus war zugegebenermaßen etwas erleichtert, dass der Delphin nun doch mitkommen würde. Bernie lud das Beamprogramm in den Arbeitsspeicher des Grizzly. Als der Delphin wohlbehalten in seinem Bassin angekommen war, gab der Octopus das Startsignal. Der Frosch saß an der Kommunikationseinheit des Grizzly. Erst unmerklich langsam, dann mit steigender Geschwindigkeit, drehten sich die Windmühlenflügel, die gewiss jahrelang nicht bedient wurden. Die Maschinerie erstarb wieder. Zu lange hatte die Mühle einfach nur in der Landschaft gestanden und war nicht in Betrieb gewesen. Nachdem sie alle beweglichen Teile gewissenhaft geölt hatten, machten sie einen zweiten Startversuch. ‘Flügelgeschwindigkeit Stufe 3 erreicht !’ meldete der Frosch. Die Beatmungseinheit wurde hochgefahren. Unter Ächzen und Stöhnen erhob sich die Mühle in die Lüfte. Sie drehten eine Runde über ihrer Heimatstadt und begaben sich dann in Steigflug Richtung Atmosphäre. Der Ameisenbär kannte geschichtliche Details der Windmühle, aber dann war die Mehrheit dagegen, ihr Raumschiff ‘Liesel’ zu nennen und sie hatten sich für ‘Black Shadow’ entschieden. Sie dankten und aßen eine Suppe.

Reisepläne – Plans for a journey

Sternzeit 1291,6

Die Mannschaft traf sich bei Bernie im Tigerkäfig, um die nächste Reise vorzubereiten. Der Octopus hatte ein Windmühlenraumschiff entdeckt, das darauf wartete, erobert zu werden. Die Maulwurfine war zusammen mit der Fledermaus und der Spinne erschienen. Der Ameisenbär hatte ein neues Logbuch besorgt. Der Delphin würde dieses Mal zu Hause bleiben, denn er fühlte sich nur in seinem Element wohl und musste sich um seine Gruppe kümmern. Der Frosch und die Giraffe hatten Chips mitgebracht. Dieses Mal würden auch die Schildkröte und die Mücke dabeisein. Man wälzte Sternkarten und stellte sich sogar vor, das Sonnensystem zu verlassen. Schliesslich einigte man sich aber darauf, es zunächst nur bis zum Mond zu versuchen. Bernie war zum Arzt gegangen und würde wegen einer AU eine Auszeit in der Werbeagentur geniessen. Würde die Windmühle funktionstüchtig sein ? Hätten sie genügend Proviant mit an Bord ? Wie würden sie navigieren ? Würden sie genügend Disziplin aufbringen, täglich Logbuch zu schreiben ? Was wäre, wenn sie auf Ausserirdische trafen ? Fragen, die in ihren Herzen hin und her bewegt werden wollten. Schliesslich fühlten sie sich aber doch ganz gut vorbereitet, und alle würden noch einmal zu Hause schlafen, bevor sie am nächsten Morgen einen Startversuch unternehmen wollten. Lediglich die Maufwurfine blieb noch bei Bernie. Sie hatte noch ein ernstes Wörtchen mit ihm zu reden, da Günther in den letzten Wochen etwas Überhand gewonnen hatte. Zusammen informierten sie sich mit Hilfe der Grizzly-K.I. über ‘Self-Esteem’. Ein Spaziergang um den Block würde den Tag abrunden. Bernie drehte sich eine. Als sie vom Spaziergang nach Hause kamen, leuchtete ein voller Mond. Das sollte ihr Ziel sein ? Welch ein wagemutiger Plan…

new average

2013-11-28
basis : 10 months
—-
in
546,90 ueg
232,69 pension
52,00 wg
—-
831,59
—-
—-
out fix
347,50 rent
39,00 electricity
42,69 phone/dsl
11,08 bank account
9,92 insurance
13,70 provider
—-
463,89
—-
—-
out var
81,93 food
114,80 tobacco
34,53 beer
31,44 essentials
41,10 nonsense
—-
303,80
—-
—-
cheers

Die Maulwurfine

Sternzeit 1290,3

Lange war die Maulwurfine etwas down gewesen. Heute jedoch hatte sie einen ganz und gar grandiosen Tag gehabt. Nach Feierabend hatte sie sich mit der Fledermaus und der Spinne verabredet. Die Spinne hatte Neuigkeiten von ihrer Schwester zu berichten gehabt. Die Schwester der Spinne war nämlich im Sanatorium in Bondershagen, zur Entbindung von 300 Jungen. Alles hatte gut geklappt. Die drei Frauen gingen einen Kaffee mitten auf dem Marktplatz trinken. Und sie erzählten sich und sie hörten nicht damit auf. Nachdem sie alle wieder getrennte Wege gegangen waren, besuchte die Maulwurfine noch unseren Bernie. Der lag ausnahmsweise heute nicht breit in der Ecke sondern löste gerade Kreuzworträtsel.

Ausblendung.
Einblendung.

Gemeinsam aßen sie zu Abendbrot. Es gab ein typisches Bernie-Abendbrot, Ravioli aus der Dose. Ein Glas Apfelsaft dazu. Ein paar Pillen. Kein Bier. Fernsehen. Spaziergang. Umarmung. Verabschiedung.

Es war Neumond. Bernie liess den Grizzly heute Nacht laufen. Das Logbuch lag unter seinem Kopfkissen. Die Mannschaft würde eine neue Reise planen. Bald mehr.

DSMx

Sternzeit 1289,5

Die Maulwurfine war schon seit einigen Jahren wieder gesund. Nur Bernie hatte mal wieder mit seinem Leben zu kämpfen. Der Grizzly hatte ihm zuletzt 295.30 angedichtet. Egal. Er trank ein Bier. Sein Telefon hatte er abgemeldet, die Netzverbindung über die Grizzly-K.I. reichte ihm vollkommen aus. Dann wollte der Octopus vorbeikommen, er hatte eine neue Lieferung Zackenplankton bekommen. Das hatte nur 26 Dollar gekostet. ‘Nein, ich möchte nicht.’ sagte Bernie freundlich. ‘Ich lese lieber.’ Warum kommen die Arschlöcher leichter durchs Leben ? Wo bleibt die ausgleichende Gerechtigkeit ? Wozu sind Kriege da ? Wer hat die Tür offengelassen ? Was denkt sich dieser blöde Ameisenbär nur bei seinem Dankbarkeitsgefasel ? Wo ist mein Schlüssel ? Welche Farbe wird mein Auto haben ?

Fragen wie diese stellt heutzutage niemand mehr, egal.

EGAL.

Filmabend – This is the end….

Sternzeit 1287,4

Ganz grauenvolle Stimmungsschwankungen schüttelten unseren armen Bernie. Wie gut war es da, dass sich für heute Abend seine Mannschaft angekündigt hatte. Nacheinander trudelten der Ameisenbär, der Frosch, die Giraffe, die Fledermaus, die Spinne, der Delphin und als letztes der Octopus ein. Nachdem die Fledermaus unter Zuhilfenahme der Spinne und eines scharfen Messers aus Mais, Thunfisch, Charlotten und Pfeffer und Salz den Salat zubereitet hatte, sucht sich jeder einen Platz in Bernie’ s Tigerkäfig. Bernie hatte ein Multimedia-Interface für den Grizzly zusammengezimmert. Es lief ‘Apocalypse Now’ von Francis Ford Coppola, aber die Tiere starrten nicht auf den Bildschirm an der Wand sondern praktizierten gepflegte Kommunikation während der Mahlzeit. Der Film lief als Hintergrundberieselung. Da klopfte es plötzlich an der Tür. Draußen stand eine Schildkröte und begehrte Einlaß. ‘Verzeiht, ich möchte mich ungern selbst einladen, aber ich habe Hunger. Seit 76 Jahren bin ich trockener Alkoholiker und würde mich über eine Mahlzeit doch sehr freuen.’ Niemand hatte etwas dagegen, die Schildkröte an den gedeckten Tisch zu bitten. Aber auch niemand hatte bemerkt, dass eine Mücke ebenfalls in den Tigerkäfig eingedrungen war, während die Tür offenstand. Als es dann ‘bsssss…bssssst…’ über dem Tisch machte, während der Octopus sich gerade Nachschlag nahm, rief der Ameisenbär : ‘Der Satan, der Satan!’. ‘Nein, es ist eine Mücke.’, erwiderte der Octopus. ‘Ich bin nicht schwanger.’ sagte die Mücke und zog sich auf den Bildschirm an der Wand zurück. ‘Ich möchte den Film sehen.’ sagte die Mücke. ‘Na dann lassen wir sie doch.’ sagte der Frosch. Der Grizzly drehte den Bass auf, als die Doors die Eingangssequenz einleiteten. Bernie war vielleicht froh, endlich mal nicht bei einsamen Flasche Bier seinen Feierabend zu begehen sondern die Hütte voller Besuch zu haben. Der Grizzly hatte keine passende Stelle gefunden, so dankte der Ameisenbär mit seinen eigenen Worten zum Abschluss der Mahlzeit.

Als Stunden später alle wieder nach Hause gegangen waren, war Bernie schon wieder allein, aber er zehrte noch lange von diesem ungewöhnlichen Tag und ausserdem war die Mücke bei ihm geblieben. Bernie verspürte Verlangen, einfach draufzuhauen. Eine höhere Kontrollinstanz hielt ihn jedoch davon ab. ‘Lass mich allein, es ist besser so.’ sagte er zur Mücke. ‘Ich habe mich so daran gewöhnt, allein zu leben, dass mich ein Mitbewohner (ausser meinem Grizzly natürlich) doch ganz durcheinanderbringt. Das sah die Mücke ein. Die Mannschaft hatte das Logbuch dagelassen, so stöberte Bernie in den Aufzeichnungen der Reise zum Herrn der Gezeiten. Vielleicht würde er dann auch den Ameisenbär etwas besser verstehen. Bernie rauchte noch eine Pfeife Tee, zog sich die Schuhe aus, programmierte seine Werkssirene und ging ins Bett. Vorher hatte er jedoch den Grizzly angewiesen, den Mond heute Nacht ganz besonders gut zu beobachten. Er schlief fest und traumlos, bewegte allerdings seine Finger im Schlaf, ohne es zu bemerken.

Ein Gesundheitsschub – health drift

Sternzeit 1286,9

Lange war Bernie nicht mehr so gut drauf gewesen. Seine K.I. hatte ihm den Kopf gewaschen. Nun konnte er sich nicht mehr länger auf irgendwelchen an den Haaren eines Arztes herbeigezogenen Diagnosen ausruhen. Wenn die K.I. sagte, er sei gesund, WAR er gesund. Das änderte zwar nichts an seinem Job in der Werbeagentur, der zugegebenermaßen nicht der allerprickelndste war, machte aber etwas mit seinem Bewusstsein. Kann sein, das klingt nun leicht buddhistisch – wahrscheinlich IST es das auch – aber er begann wieder, sich wie ein Tropfen im Ozean zu fühlen. Ganz ohne Weed, nur mit Tee. Von Zeit zu Zeit verliess er seinen Tigerkäfig, um Besorgungen zu machen oder – gänzlich ungewohnt – um Leute zu besuchen. Das war zwar meistens mit Bier verbunden, aber seine Gehirnchemie ist nicht Gegenstand dieser Betrachtungen. So richtig besoffen allerdings, Pupillenstillstand, Ihr wisst schon, war er allerdings lange nicht gewesen. Hier soll weder seine Alkohol- und Softdrogenkarriere glorifiziert werden, aber wenn Autoritäten welcher Art auch immer ihm sein Feierabendbierchen nehmen wollten, verstand Bernie keinen Spaß mehr. Vielleicht hatte er auch nur zuviel Blues Brothers und Easy Rider gekuckt. Oh ja, es mochte nur Sekunden dauern, und er fühlte sich um Jahrzehnte zurückgeworfen, traurig, depressiv und klein, aber seine Erfahrung sagte ihm, auch DIESE Sekunden würden vorübergehen. Betrachten wir nun noch seine Wahlfamilie, den Delphin, den Ameisenbär, die Giraffe, die Spinne, die Fledermaus, den Frosch, den Octopus und seit neuestem den Grizzly. Nun, es mochte sein, dass der Ameisenbär wie immer etwas zu meckern hatte, aber nachdem der Octopus etwas Musik aufgelegt hatte, begann der Ameisenbär den Grizzly wie einen Bruder zu betrachten und konnte dem Ganzen dann DOCH noch etwas Positives abgewinnen. Wenigstens verwahrloste Bernie nicht. Morgen würden sie zusammen essen. Die Fledermaus würde einen ganz und gar leckeren Mais-Thunfischsalat zubereiten. Wenn die Bank mitspielte, gab es sogar Glühwein. Das war Grund genug, die Werkssirene auf eine halbe Stunde eher zu programmieren. Der Octopus und die Giraffe wollten etwas vortragen. Gedichte oder ähnliches Zeug, meint Ihr ? Weit gefehlt, sie würden den für den betreffenden Sterntag angesagten Vers – die Tageslosung sozusagen – rezitieren. Ob sich wohl jemand mit Grauen abwandte ? Die K.I., der Grizzly also, würde helfen, die betreffende Stelle aufzufinden. Natürlich alles NACH der Arbeit, was denkt Ihr denn ? Bernie fuhr den Grizzly runter und widmete sich seinem Tee.