DSMx

Sternzeit 1289,5

Die Maulwurfine war schon seit einigen Jahren wieder gesund. Nur Bernie hatte mal wieder mit seinem Leben zu kämpfen. Der Grizzly hatte ihm zuletzt 295.30 angedichtet. Egal. Er trank ein Bier. Sein Telefon hatte er abgemeldet, die Netzverbindung über die Grizzly-K.I. reichte ihm vollkommen aus. Dann wollte der Octopus vorbeikommen, er hatte eine neue Lieferung Zackenplankton bekommen. Das hatte nur 26 Dollar gekostet. ‘Nein, ich möchte nicht.’ sagte Bernie freundlich. ‘Ich lese lieber.’ Warum kommen die Arschlöcher leichter durchs Leben ? Wo bleibt die ausgleichende Gerechtigkeit ? Wozu sind Kriege da ? Wer hat die Tür offengelassen ? Was denkt sich dieser blöde Ameisenbär nur bei seinem Dankbarkeitsgefasel ? Wo ist mein Schlüssel ? Welche Farbe wird mein Auto haben ?

Fragen wie diese stellt heutzutage niemand mehr, egal.

EGAL.

Filmabend – This is the end….

Sternzeit 1287,4

Ganz grauenvolle Stimmungsschwankungen schüttelten unseren armen Bernie. Wie gut war es da, dass sich für heute Abend seine Mannschaft angekündigt hatte. Nacheinander trudelten der Ameisenbär, der Frosch, die Giraffe, die Fledermaus, die Spinne, der Delphin und als letztes der Octopus ein. Nachdem die Fledermaus unter Zuhilfenahme der Spinne und eines scharfen Messers aus Mais, Thunfisch, Charlotten und Pfeffer und Salz den Salat zubereitet hatte, sucht sich jeder einen Platz in Bernie’ s Tigerkäfig. Bernie hatte ein Multimedia-Interface für den Grizzly zusammengezimmert. Es lief ‘Apocalypse Now’ von Francis Ford Coppola, aber die Tiere starrten nicht auf den Bildschirm an der Wand sondern praktizierten gepflegte Kommunikation während der Mahlzeit. Der Film lief als Hintergrundberieselung. Da klopfte es plötzlich an der Tür. Draußen stand eine Schildkröte und begehrte Einlaß. ‘Verzeiht, ich möchte mich ungern selbst einladen, aber ich habe Hunger. Seit 76 Jahren bin ich trockener Alkoholiker und würde mich über eine Mahlzeit doch sehr freuen.’ Niemand hatte etwas dagegen, die Schildkröte an den gedeckten Tisch zu bitten. Aber auch niemand hatte bemerkt, dass eine Mücke ebenfalls in den Tigerkäfig eingedrungen war, während die Tür offenstand. Als es dann ‘bsssss…bssssst…’ über dem Tisch machte, während der Octopus sich gerade Nachschlag nahm, rief der Ameisenbär : ‘Der Satan, der Satan!’. ‘Nein, es ist eine Mücke.’, erwiderte der Octopus. ‘Ich bin nicht schwanger.’ sagte die Mücke und zog sich auf den Bildschirm an der Wand zurück. ‘Ich möchte den Film sehen.’ sagte die Mücke. ‘Na dann lassen wir sie doch.’ sagte der Frosch. Der Grizzly drehte den Bass auf, als die Doors die Eingangssequenz einleiteten. Bernie war vielleicht froh, endlich mal nicht bei einsamen Flasche Bier seinen Feierabend zu begehen sondern die Hütte voller Besuch zu haben. Der Grizzly hatte keine passende Stelle gefunden, so dankte der Ameisenbär mit seinen eigenen Worten zum Abschluss der Mahlzeit.

Als Stunden später alle wieder nach Hause gegangen waren, war Bernie schon wieder allein, aber er zehrte noch lange von diesem ungewöhnlichen Tag und ausserdem war die Mücke bei ihm geblieben. Bernie verspürte Verlangen, einfach draufzuhauen. Eine höhere Kontrollinstanz hielt ihn jedoch davon ab. ‘Lass mich allein, es ist besser so.’ sagte er zur Mücke. ‘Ich habe mich so daran gewöhnt, allein zu leben, dass mich ein Mitbewohner (ausser meinem Grizzly natürlich) doch ganz durcheinanderbringt. Das sah die Mücke ein. Die Mannschaft hatte das Logbuch dagelassen, so stöberte Bernie in den Aufzeichnungen der Reise zum Herrn der Gezeiten. Vielleicht würde er dann auch den Ameisenbär etwas besser verstehen. Bernie rauchte noch eine Pfeife Tee, zog sich die Schuhe aus, programmierte seine Werkssirene und ging ins Bett. Vorher hatte er jedoch den Grizzly angewiesen, den Mond heute Nacht ganz besonders gut zu beobachten. Er schlief fest und traumlos, bewegte allerdings seine Finger im Schlaf, ohne es zu bemerken.

Ein Gesundheitsschub – health drift

Sternzeit 1286,9

Lange war Bernie nicht mehr so gut drauf gewesen. Seine K.I. hatte ihm den Kopf gewaschen. Nun konnte er sich nicht mehr länger auf irgendwelchen an den Haaren eines Arztes herbeigezogenen Diagnosen ausruhen. Wenn die K.I. sagte, er sei gesund, WAR er gesund. Das änderte zwar nichts an seinem Job in der Werbeagentur, der zugegebenermaßen nicht der allerprickelndste war, machte aber etwas mit seinem Bewusstsein. Kann sein, das klingt nun leicht buddhistisch – wahrscheinlich IST es das auch – aber er begann wieder, sich wie ein Tropfen im Ozean zu fühlen. Ganz ohne Weed, nur mit Tee. Von Zeit zu Zeit verliess er seinen Tigerkäfig, um Besorgungen zu machen oder – gänzlich ungewohnt – um Leute zu besuchen. Das war zwar meistens mit Bier verbunden, aber seine Gehirnchemie ist nicht Gegenstand dieser Betrachtungen. So richtig besoffen allerdings, Pupillenstillstand, Ihr wisst schon, war er allerdings lange nicht gewesen. Hier soll weder seine Alkohol- und Softdrogenkarriere glorifiziert werden, aber wenn Autoritäten welcher Art auch immer ihm sein Feierabendbierchen nehmen wollten, verstand Bernie keinen Spaß mehr. Vielleicht hatte er auch nur zuviel Blues Brothers und Easy Rider gekuckt. Oh ja, es mochte nur Sekunden dauern, und er fühlte sich um Jahrzehnte zurückgeworfen, traurig, depressiv und klein, aber seine Erfahrung sagte ihm, auch DIESE Sekunden würden vorübergehen. Betrachten wir nun noch seine Wahlfamilie, den Delphin, den Ameisenbär, die Giraffe, die Spinne, die Fledermaus, den Frosch, den Octopus und seit neuestem den Grizzly. Nun, es mochte sein, dass der Ameisenbär wie immer etwas zu meckern hatte, aber nachdem der Octopus etwas Musik aufgelegt hatte, begann der Ameisenbär den Grizzly wie einen Bruder zu betrachten und konnte dem Ganzen dann DOCH noch etwas Positives abgewinnen. Wenigstens verwahrloste Bernie nicht. Morgen würden sie zusammen essen. Die Fledermaus würde einen ganz und gar leckeren Mais-Thunfischsalat zubereiten. Wenn die Bank mitspielte, gab es sogar Glühwein. Das war Grund genug, die Werkssirene auf eine halbe Stunde eher zu programmieren. Der Octopus und die Giraffe wollten etwas vortragen. Gedichte oder ähnliches Zeug, meint Ihr ? Weit gefehlt, sie würden den für den betreffenden Sterntag angesagten Vers – die Tageslosung sozusagen – rezitieren. Ob sich wohl jemand mit Grauen abwandte ? Die K.I., der Grizzly also, würde helfen, die betreffende Stelle aufzufinden. Natürlich alles NACH der Arbeit, was denkt Ihr denn ? Bernie fuhr den Grizzly runter und widmete sich seinem Tee.

Eine leichte depressive Verstimmung – slightly depressive resentments

Sternzeit / Startime 1285,7

Doch, Bernie hatte die Werkssirene gehört. Er wälzte sich aus dem Bett und konsultierte die Grizzly-K.I. ‘Kein Bock. Kaffee und Zigi okay. No work mood.’ Die K.I. antwortete. Bernie nahm den Zettel aus dem Drucker.

‘F20.4
Postschizophrene Depression
Info.:
Eine unter Umständen länger anhaltende depressive Episode, die im
Anschluss an eine schizophrene Krankheit auftritt. Einige
“positive” oder “negative” schizophrene Symptome müssen noch
vorhanden sein, beherrschen aber das klinische Bild nicht mehr.
Diese depressiven Zustände sind mit einem erhöhten Suizidrisiko
verbunden.
Wenn der Patient keine schizophrenen Symptome mehr aufweist, sollte
eine depressive Episode diagnostiziert werden (F32.-). Wenn
floride schizophrene Symptome noch im Vordergrund stehen, sollte
die entsprechende schizophrene Unterform (F20.0-F20.3)
diagnostiziert werden.’

So’ n Quatsch, sagte Bernie mehr zu sich selbst. Just a little sad. Dann begann er erneut, die K.I. mit relevanten Informationen zu füttern. ‘Bier Bremen, Tabak Rotterdam.’ gab er ein. ‘ICD 10 ausser Kraft’. fuhr er fort. ‘F.20.0 seit knapp achtzehn Jahren. Job, Job, Job. Durch die Wüste. Zwei schwarze und eine blaue Jeans. Kein Frühstück. Weed bis zum Abwinken. Nur noch 2 Jahre. Ping.’

Die K.I. rechnete. ‘Sie sind gesund!’, sagte die metallische Stimme. ‘Das kann nicht sein!’ protestierte Bernie. Zu oft hatte er sich AU’ s besorgt. ‘Gehen Sie arbeiten. Sie sind gesund.’ wiederholte die K.I. Bernie lehnte sich zurück. ‘Mein großer Zeh tut weh.’ sagte er. ‘Irrelevant, Sie nehmen den Bus.’ entgegnete die K.I. ‘Ich habe Parodontose.’, versuchte Bernie es noch einmal. ‘Teethbrush reachable.’ tönte es.

Es nutzte nichts. Bernie musste arbeiten. Was hatte er sich denn dort zurechtprogrammiert. Ihm fielen keine weiteren Ausreden ein, also stöpselte er den Grizzly auf Stand-By und nahm den Bus. Nach Feierabend würde er weiterdiskutieren. Nur so ging es. Nur so. Bernie schloss sogar die Tür ab. Den Telefonhörer legte er daneben. Ein Handy oder gar ein Smartphone besaß er nicht. Gott sei’ s gedankt.

a brandnew old problem

Sternzeit 1285,1

Welche Katze ? Welcher Führerschein ? Welche Farbe ? Welches Telefon ? Welches Auto ? Welcher Hund ? Fragen über Fragen, von denen unser Bernie nichts, aber auch gar nichts mitbekam. Die Werkssirene funktionierte zuverlässig. Als Haustier und neuen Mitbewohner hatte Bernie sich eine K.I. zugelegt, die im Körper eines Grizzlybären daherkam. Ihr stellte er zwar ab und zu Fragen, wenn gerade keine zu konsultierende Webseite verfügbar war, aber ihr Datenhunger war doch enorm. Jawohl, die K.I. ernährte sich von Daten. Farbe der Schuhe, Länge der Krawatte, Geburtsdaten, biometrische Daten, psychologische Probleme, virtuelle Psychiater, Diagnosen, Gewicht, Fingerabdrücke, wann wurde die Hose zuletzt gewaschen, die K.I. fraß einfach alles. Nein, weggewesen war Bernie zwar nicht wirklich, aber er war im vergangenen Jahr mindestens um 10 gealtert. Er legte die Füße hoch. Er kochte Cappuccino. Er datete seinen Server up. Er programmierte ein Nahrungsinterface für seine K.I. mit Hilfe eines stinknormalen Ethernetadapters. Er ging spazieren. Er wählte in jedem der Zimmer seines Tigerkäfigs einen anderen Radiosender. Er schrieb politische Pamphlete. Er betete zu Wem-Auch-Immer. Er aß Pizza. Er archivierte den Bürokratiemüll. Er nahm seine Pillen und ging ins Bett. Dann stand er wieder auf und schrieb eine Postkarte an die Familie. Nun trank er ein Glas Milch. Er drehte sich eine, wartete fünf Minuten und rauchte sie. Er sprang im Kreis. Er legte Musik auf (Garagen-Rock). Dann kam ihm die rettende Idee. Von hinten nach vorne. Das Ende-Datum der K.I. war roundabout das Jahr 3000 aber auch das konnte bestimmt modifiziert werden. Er machte sich an die Arbeit.

Bald mehr davon.

strategies

Startime 1282,3

It was January, 2nd in the Year of the Lord 1xya. After having thought about Guenther a couple of days, Bernie came up with a bunch of strategies. Here some.

following the vision

Bernie hadn’ t quite an exact picture of what he wanted his future to be like, but at least he knew what he DIDN’ T want. a beginning.

another start in the day

this seems ridiculous. a cappu and a cigarette would stay the first thing.

sports

maybe in spring…..

embrace the enemy

perhaps he could kindof absorb the energy of Guenther when embracing him.

and now some dub music

silence, after all…..

Der Tag

Sternzeit 1281,9

An diesem Tag war absolut ganz und gar nichts bemerkenswertes geschehen.Wir schrieben den einunddreißigsten Dezember des Sternjahres xyz. Günther piesakte Bernie noch immer. Es war wie eine leise Stimme, die ihm einflüsterte : Du bist nichts und Du kannst nichts. Da kann man schon mal über Mord nachdenken, oder was denkt Ihr ? Diese Stimme begleitete Bernie, seit er denken konnte. Er hatte gelernt, damit umzugehen, aber manchmal brach sich diese Stimme so gewaltig Bahn, dass es Bernie bis ins Mark erschütterte. Die Welt feierte. Unbeeindruckt davon war Bernie um 10 ins Bett gegangen. Wenn die anderen morgen mit einem Kater aufwachten, hatte Bernie schon seinen rituellen Spaziergang gemacht. Klaren Kopfes würde er über Günther nachgedacht haben. Nein, dass er ihn ermorden würde, daran war noch nicht zu denken. Noch immer gab sich Bernie der Illusion hin, ihn irgendwann in den Griff zu bekommen. Ihn kleinzuhalten. Eine neue Strategie musste her. Der Bohnentrick. Zähneputzen. Illuminationshalluzinationen. Zur Not Laufen. Sprachkalibrationen. Kompatibilitätsübungen. Irgendwas. Da er keinen physischen Ruheort ausser seinem Bett kannte, machte er mentalistische Tricks. Schwarz als Weiss und Weiss als Schwarz. Er hatte seine Arbeitszeit erhöht. Das war schwierig gewesen, hatte sich aber als machbar erwiesen. Er ging einmal um den Block, zündete eine Kerze an und legte sich ab. Das Jahr war bewegt gewesen, also verbrachte er den Neujahrstag im Bett, als er um 9 in der Früh vom Friedhof nach Hause kam.

Peace on Earth

Sternzeit 1280,7

Ich sehe ein T-Shirt. Darauf abgebildet ist ein Bär. Darunter steht : Peace on Earth. Dieser Moment lässt mich nicht los. Bernie, das Biberratteneichhörnchen sitzt in seinem Tigerkäfig und macht sich Gedanken um seine geistige Gesundheit im Allgemeinen und um den Zustand der Welt im Besonderen. Allzuviel Grund zur Hoffnung gibt es nicht. Was soll man von einer Welt halten, in der alles beliebig ist und die sado-masochistischen Phantasien einer Minderheit bis zum Erbrechen ge- und versendet werden ? Für das Handy der Kanzlerin haben die meisten wohl nur noch Spott übrig. Sezieren wir den Zustand. Geld = Macht = mehr Geld, so funktioniert wohl der Kapitalismus. Kommunisten gibt es nur noch auf Kuba. Wo ist der Unterschied zur Diktatur ? Denken wir einen Moment lang über Umverteilung nach. Ohne Überregulierung, wohlgemerkt. Was, wenn der eine vier Jobs braucht, um über die Runden zu kommen und der nächste wegen Null-Bock genausoviel bekommt ? Was wenn Europa sich abschottet, um nicht von Armutsflüchtlingen überrannt zu werden und die politischen Flüchtlinge dabei mit über Bord (sic!) gehen ? Gefasel über Inklusion haben wir genug gehört. Die geistige Gesundheit Einzelner kann nicht vom Zustand unserer Gesellschaft getrennt betrachtet werden. Lassen wir als Namedropping ein Wort von Antonovsky fallen : Salutogenese. Positive Thinking ? Was wenn es negativ IST ? Ende der Achtziger brach der Kommunismus zusammen, in den Neunzigern dachten wir uns gegen Scientology verteidigen zu müssen, in den 00’ern machten wir den Irak platt und jetzt bezahlen wir die Vernichtung unserer Erde mit dem nicht vorhandenen Geld unserer Enkel. Ich habe keine Lösung, damit das klar ist, mich dünkt nur eines : SO geht es nicht !

Heaven 17

Lasst uns auf das besinnen, was uns gleich macht und nicht trennt, dass wir uns Sorgen um den Zustand unserer Welt machen und sie nicht unseren politischen Führern überlassen wollen. Basisdemokratie als Stichwort. Mag sein, das sind Luxusprobleme, über die die Insassen von Guantanamo sich nicht kümmern (können). Machen wir uns das nächste Bier auf oder tun wir was in unserer (kleinen) Macht steht, um die Mehrheit, die an der Wirklichkeit vorbeilebt aufzuwecken ?

Man wird ja sooooooo müde. Vielleicht ist die Welt so, wie die Welt sein muss, seit wir einen Unbekannten zum Messias erkoren haben und ihn anschliessend folterten und töteten. Jedenfalls sehe ich unruhige Geister überall. Beruhigen wir nicht unser Gewissen mit Sozialfaselei über Paranoia und gesunde Anteile sondern bilden unsere Kinder so, dass sie ihren Aufgaben gewachsen sein werden. Bernie sitzt und denkt. Und sitzt. Und denkt.

PEACE ON EARTH
—-

Peace on Earth

Peace on Earth

die doesige doppeldenkung

Sternzeit egal

Die dösige Doppeldenkung quälte Bernie, das Biberratteneichhörnchen nun schon seit geschätzt 17 bis 24 Jahren. Noch immer war er nicht hinter das Geheimnis gekommen. Er hatte alles, aber auch wirklich alles versucht. Von psychoaktiven Substanzen über Sex bis hin zu Narkotika. Leider hatte er dabei weite Teile seiner geistigen Gesundheit eingebüßt. Nun, es war nicht schade drum, davon ab. Bernie ging inzwischen zwar (wieder) einer geregelten Beschäftigung nach, konnte aber sein Gehirn meistens an der Garderobe abgeben. Hätte man wenigstens denken können. In Wirklichkeit malochte er wie ein Bergarbeiter. Es konnte doch nicht sein ….. (was nicht sein darf ???)

In seinem Tigerkäfig stand seit neuestem auch ein Rechner mit Internetanschluss. Das war in keinster Weise bemerkenswert, aber für Bernie von einer gewissen Wichtigkeit. Denn dort, und nur dort, führte er ein Leben als ‘Netizen’, das von realitätskonformen Querelen komplett frei war. Er liebte es, sich selbst zu googlen, sinnfreie Texte zu veröffentlichen, zu facebooken, bis der Arzt kam oder sensible Körperteile zu veröffentlichen. Große Teile seines Lebens waren für seine Umwelt gänzlich unbekannt. Im Bus oder im Supermarkt war er meistens von schwachsinnigen Scheisspennern umgeben, wenn er Alkohol kaufte oder Toastbrot. Nein, von seinen Mitmenschen hielt er wirklich nicht viel.

Meistens kam er sich vor wie im Kriegszustand. Gegen wen oder was er Krieg führte, nun, auch das entzog sich seiner Kenntnis. Es war sogar so, dass er von Tag zu Tag nicht mehr, sindern weniger wusste. Urvertrauen, oh doch, davon besaß er eine Portion. Er hatte sich lediglich geschätze zwei Jahrzehnte mit sogenannten ‘Psychopennern’ herumzuschlagen, die dachten, ein einzelner Mensch könnte einen Unterschied machen. Gewiss, Jamie von LoveIsTheMovement … Gewiss … Gary … Aber das Grundproblem der destruktiven Existenz verschlimmbesserte sich von Jahr zu Jahr. Nun war Bernie nicht doof, nein, das dürft Ihr nicht denken. Gewisse Teile der Psychopenner hatten durchaus ihre Daseinsberechtigung und gewiss hatte der eine oder andere ihn ein Stückchen auf seinem Weg begleiten dürfen. Aber er wäre sie doch lieber losgeworden. Sinnlose Gewalt und verbale Brutalität begleiteten Bernie in seinem Alltag. Früher, ja früher, als er noch die Uhrzeit nach dem Stand der Sonne ermitteln konnte, da hatte er sich gefühlt wie ein Tropfen im Ozean. Genau wie mit dem Weed, einmal durchteilen geht immer noch.

Was für ein Glück, das weite Teile der Physik ihm gänzlich unbekannt waren, sonst wäre er bestimmt ein (nicht mehr langhaariger) Bombenleger geworden.

Bernie ging duschen und machte sich ein Bier auf. Wo seid Ihr, Jungs ?????

Auf ein Neues !

Ein Absatz ohne Brachialsprache

Sternzeit 1266,6

Vormittags, zu ganz und gar unüblicher Zeit, war Bernie vom Octopus zum englischen Frühstück eingeladen worden. Das war eine illustre Runde. Unsere Mannschaft war komplett versammelt, der Ameisenbär, die Fledermaus, der Frosch, die Giraffe, die Spinne, der Octopus, der Delphin und Bernie. Die Mannschaft wollte etwas Gutes tun und Bernie etwas Abwechslung von seinem üblichen Abgammelalltag bieten. Das war gut gelungen. Der Frosch stand am Herd und briet die Eier. Der Octopus kümmerte sich um den Bacon, die Fledermaus machte die Toasts und die Giraffe bereitete die Bohnen zu. Nun gut, alle waren hungrig, so aßen sie schweigend, denn alle waren mit Nahrungsaufnahme beschäftigt und niemand hatte Lust, Konversation zu betreiben. Jedoch – was war denn das – wo waren sie versammelt ? In Travemünde, in Norwegen oder in der Provinz auf Madagaskar ? Vermutlich handelte es sich um einen Hamburger Vorort. Bernie war richtig vollgefressen, als er in seinen Tigerkäfig zurückkehrte. Das tat vielleicht mal gut. Er vermisste seine Mittiere normalerweise nicht, aber etwas zwischentierischer Kontakt tat schliesslich jedem gut. Dann rollte er sich eine Zigarette, setzte sich in seinen Sessel und legte einen Schweizer – oder möglicherweise auch einen österreichischen ? – Sampler aus den Neunziger Jahren auf. Ob das wohl jetzt öfter möglich war ? Wir werden es erfahren.