Das Bett

Sternzeit 1265,7

Das Bett war der Ort, an dem sich Bernie’ s Arsch am weitaus häufigsten aufhielt. Da er keiner geregelten Beschäftigung nachging, erhob sich dieser sein Arsch manchmal erst am Nachmittag um 3 aus ebendiesem Bett. Dann trank er als erstes ein Bier. Meistens musste er gegen Abend Nachschub aus dem Netto um die Ecke besorgen. Ab und zu kamen Kollegen vorbei. Nein, er war kein Dealer und er kannte auch keine Dealer, da er sich von den psychoaktiven Substanzen schon vor ein paar Jahren verabschiedet hatte. Blieben die Narkotika. Spazierengehen, die Musik aufdrehen, sich vor den Fernseher fläzen, surfen, Nahrungsaufnahme und seit Neuestem eine Fortbildung zum Thema : Wie werde ich ich waren die Beschäftigungen, die ihm halfen, die Geister der Vergangenheit zu vertreiben. Die Freunde waren zwar Freunde, die meisten konnten seine Macken allerdings nicht ganz nachvollziehen. Also übte er Kontemplation. Nun neigt sich dieser Weblogeintag dem Ende zu, ebenso wie der Abend, ebenso wie die Woche und ebenso wie dieses, Bernie’ s Leben. Als neueste Diagnose hatte er nämlich einen sogenannten HI-Virus zu beklagen. Der übertrug sich durch Ficken. Das erschien ihm widerum sehr, sehr rätselhaft. Prost. Ab ins Bett.

Tigerkäfig

Sternzeit 1255,8

Bernie saß in seinem Tigerkäfig, nunmehr seit 10 Tagen. Er hatte weder Drogen noch Waffen in seinem Besitz. Er freute sich auf den 6. November. Klack-ratsch. Time to go. Pizza is waiting.

cheers

Seine Wärter waren eine Mischung aus Taxifahrer und Bewährungshelfer gewesen. Aber das war ein anderes Kapitel. Nur allzu schnell konnte alles wieder vorbei sein. Also würde er sich seine nächsten Schritte gut überlegen. Eine höhere Kontrollinstanz verhinderte, dass er noch mehr Scheisse bauen würde. Seine Kräfte ließen nach. Also fuhr er ein Notprogramm. Man könnte sagen, er war auf Autopilot. R.I.P. Kurt Vonnegut.

Die Freiheit ruft auch Dich.

November

Sternzeit 0644,1

Inzwischen schrieben wir den November des vergangenen Jahres. Ein ganz und gar trauriger Monat. Eine Prise A.V. und ein paar Krümel G.F. waren auf dem besten Wege, Bernie zu einem Psychopathen zu machen. Zwar ging er zur Arbeit, ausserhalb dessen hatte er jedoch nicht viel, über das er sich freuen konnte. Alle paar Monate ein Konzert. Hier und da ein Bier im Park. Verlieren wir also ein paar Worte zu seinem Konsumverhalten. Cannabis hatte er lange nicht angefasst. Bier gehörte irgendwie dazu. Woran lag also die allumfassende Leere in seinem Leben ? Freunde gab es wenige. Nach Ablauf des Jahres gehörte der Alkohol zu den Dingen, die es zu beobachten galt. Wenn er mit dem Leben davonkommen wollte, war es eine angezeigte Massnahme, nüchtern zu bleiben. Als er nach der betreffenden Woche in seinen Tigerkäfig gezogen war, war er zwar irgendwie erleichtert, es endlich hinter sich gebracht zu haben, das hiess jedoch nun wieder auch nicht, dass ihm zum Feiern zumute war. Klack-ratsch.
Dezember.
Der traurigste Monat von allen. Das grauenvolle Weihnachten. Er strich sich die freien Tage an seiner Wohnungstür ab. Wissen sie etwa nicht… ?
Warum zögern sie… ?
Ob sie wohl… ?
Und zwar an dem betreffenden Tag.
Klack-ratsch.

overkill

Sternzeit 0643,3

Bernie war aber trotzalledem ganz guter Dinge. Der Einsatz des Sondereinsatzkommandos lag also noch in weiter Ferne. Denn unser Biberratteneichhörnchen war ein ganz normales Arbeitstier, das zwar mit einigen Querelen zu kämpfen hatte, alles in allem aber froh war (noch) nur halbtags arbeiten zu müssen. Manchmal drehte er seine Musik etwas zu laut auf. Manchmal hörte er Blues, manchmal Stoner-Rock, manchmal Balladen, manchmal Folk, manchmal Dub. Da niemand auf ihn wartete, wenn er nach Hause kam, liess er sich beim Nach-Hause-Weg manchmal Zeit und trank im Park eine Dose Bier. Ein schwarzes Loch zwang ihn manchmal dazu, etwas lauter zu werden, und hier ist nicht die Musik gemeint. Im Oktober des vergangenen Jahres hatte Bernie aber doch ein Ziel. Bereits damals wusste er, dass er nicht ewig im Tierheim leben wollte und er würde seine Brötchen gerne selbst verdienen und nicht auf Staatsmittel angewiesen sein. Gewiss, er bekam eine Art Lohn. An diesem Abend ging er früh ins Bett. Niemanden kümmerte irgendetwas. Da es ihm manchmal vorkam, als absorbiere er Stimmungen, brauchte er gelegentlich etwas Zeit für sich, um sich wieder zu erden. Heute war alles gut gegangen. Wir jedoch wissen, was noch geschehen sollte.

street credibility

Sternzeit 1011,9

Ein kleines schwarzes Loch, aus dem ein rotes Rinnsal rann, prangte in Günther’ s Stirn. Bernie hatte keinen anderen Ausweg mehr gesehen. Einmal Drogenszene, immer Drogenszene. Wie es um Bernie’ s Street Credibility bestellt ist, sollten andere beurteilen. Er jedenfalls hatte nun seinen alten Widersacher umgebracht. Kurz und schmerzlos, aber mausetot. Zu lange war er gepeinigt worden. Die Bürokratenkacker mochten ihm eine Anklage zimmern, ihr könnt mir glauben, das kümmerte Bernie nicht das Schwarze unter dem Fingernagel. Seit fast zwei Jahrzehnten schlug Bernie sich jetzt mit den Laberärschen herum. Das Schlimme an den Scientology- und Therapieheinis war….

In seinem betreuten Tierheim ging es folgendermaßen zu:
….
In der Werbeagentur war der Krankenstand überdurchschnittlich
….
Seine Familie wollte….
….
Im Bus und im Supermarkt geschah….
….
Wenn er allein war….
—-
Vervollständigen wir o.g. Sätze.
1. Die Hälfte von uns schaukelte die Eierstöcke.
2. Eine stupidere Arbeit konnte man sich nicht vorstellen.
3. Er wurde unter unmenschlichen moralischen Druck gestellt.
4. Die beschissenen Scheisspenner lachten ihn in der Regel aus.
5. Sein Hobby war Masturbation mit einem Cockring.
—-
pünktlich erschien er zur Arbeit.

A*

Sternzeit 1010,7

Mein lieber Günther, bitte lass Bernie in Ruhe. Du hast ihn jetzt lange genug gepeinigt. Seit geschlagenen siebzehn Jahren kämpft das arme Tier mit Dir. Auch wenn die Schlägertruppe seit 6 Jahren überfällig ist und Bernie beinahe täglich damit rechnet, so kannst Du doch endlich einsehen, dass das alles nirgendwohin führt. Deine Versuchungen liegen täglich auf dem Weg und Bernie hat genug damit zu tun, seine tägliche Arbeit in der Werbeagentur zu verrichten. Er hat gewiss eine weltweite Biberratteneichhörnchenfamilie, er weiss es nur noch nicht. Die Werkssirene kündigt den Beginn eines langen Arbeitstages an. Was denkst Du Dir dabei, Du Arschloch ? Wenn Du wissen willst, wie es im Knast ist, dann begeh Deine Verbrechen doch selbst ! Bernie hängt gewiss etwas in den Seilen, aber er hat genug Therapieerfahrung auf dem Buckel um zu wissen, dass man für eine tägliche Arbeit – und sei sie noch so stupide – dankbar sein muss. Die endlosen Kaffees, die endlosen Zigaretten, die endlosen Flure die er hinauf- und hinuntergewandert ist haben ihn zu dem Tier gemacht, das er heute ist. Wenn man seine Feierabende schon nicht zu zweit verbringt, so lass ihm in drei Teufels Namen sein Feierabendbierchen. Nicht genug, dass die ewige Sinnfrage nirgendwohin führt, kommst Du ihm auch noch mit komischen Ideen um die Ecke. Der Herbst beginnt und es wird gemütlich in den Wohnungen. Auch wenn Bernie’ s ihm manchmal wie eine Zelle vorkommt, so hat er doch dort wenigstens das kleine bißchen Freiheit, die jedes Tier braucht. Elektrische Gitarren sind auch viel mutmachender als Bilanzsuizide. Er ist über den Rand und zurück und das war eine Menge Arbeit.

Also Günther, zum letzten Mal und mit loveandpeaceandempathy, belästige gefälligst deinen eigenen Arsch.

ewing

dangerous effects / work paper october 2013

startime 1009,3

why does everybody rip everybody else off ? yes, I have a drug past and yes I still drink beer from time to time. but not on a sunday at 8 a.m. Bernie the rat went back to bed. there he could hang along and make up some philosophical questions. he was not an esoteric guy but a mixture between communist and anarchist. his job in the agency was quite boring.
—-
‘master, show me how to walk a peaceful path.’, he thought by himself. lets fire up some dub music !
….
weekend, clean, sober
—-
work paper october 2013 as following:
—-
Arbeit
Wohnen
Betreuung (gesetzlich)
Arzt
Familie
Experienced Involvement
Finanzen
Ausblick

Arbeit

Seit April 2013 arbeite ich Vollzeit. Am 13.05. 2013 bin ich in die Werbeabteilung der Firma gewechselt und werde dort auch bleiben, der Wechsel ist inzwischen auch offiziell vollzogen. Im Januar könnte ein Praktikum im Elektrobereich folgen, aber langfristig möchte ich im Werbeservice arbeiten. Die einzelnen Arbeiten sind manchmal etwas monoton. Über eine ganze Woche gesehen ist es aber deutlich abwechslungsreicher und komplexer als im Eingangsbereich, wo lediglich Montagearbeiten für die Firma Audioservice durchgeführt werden mussten. Inhaltlich fallen unterschiedliche Arbeiten an.

Adresserfassung Kronkorkenaktion Herforder Pils am Computer
Mailings falzen, eintüten, Adressaufkleber, Frankierung
Musterherstellung und Versand
Drucker- und Scanarbeiten
manuelle Nachbearbeitung von Artikeln
wechselnde Werbeaktionen
einfache Botengänge

Die Vollzeitarbeit stellt kein Problem mehr da. Die Pünktlichkeit lässt manchmal zu wünschen übrig, die Zuverlässigkeit, Sorgfalt und Qualität ist laut Rückmeldung gut. Disziplin und Anwesenheit müssen weiter gut beobachtet werden. Die Maßnahme ist bis zum 24.9. 2015 verlängert worden.

Wohnen

Die Bezüge im Betreuten Wohnen des Erlenwegs sind etwas lockerer geworden. Das liegt daran, dass ich nach Feierabend häufig keinen Bedarf mehr an Gesprächsangeboten habe. Nach dem Weckerklingeln lasse ich mir manchmal etwas Zeit über den geplanten Point-of-no-Return hinaus. Ab Oktober nehme ich wieder den Bus. Mit dem Bezugsbetreuer findet ein wöchentliches Treffen statt. Darüber hinaus gibt es einen wöchentlichen Alternativtermin und psychosoziale Angebote bei Bedarf. Zweifellos ist der Erlenweg seit März 2011 zu einem echten Zu Hause geworden, auch wenn die Wohnungen etwas hellhörig sind und die Wohnung bei Auszug wieder renoviert werden muss.

Gesetzliche Betreuung

Das Gericht wird bis zum 16.3. 2016 prüfen, ob die Betreuung aufrechterhalten werden muss.
Es finden monatliche Treffen statt. Das Verhältnis ist gut und von ausgeprägtem Vertrauen gekennzeichnet.

Arzt

Es finden turnusgemäß 6 Arztbesuche pro Jahr statt. Zusätzlich werden bei Bedarf Rezepte für die Regelmedikation ausgestellt und im Krankheitsfall Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen ausgestellt. Am 12.10. 2014 sollte die Medikation reduziert werden, und zwar auf
Zyprexa 10-0-10-0
Fluanxol 10-0-10-0
Des Weiteren muss das Blutbild regelmäßig kontrolliert werden. Nach dem Arbeitsende von Fr. Dr. Christiane Esdar wird die Zuständigkeit der Psychiatrischen Institutsambulanz aufrechterhalten.

Familie

Beide Elternteile sind berentet und altersentsprechend gesund und wohnen im Eigenheim. Es finden regelmäßige Telefonate und sporadische Besuche statt. Der Bruder hat eigene Familie (Freundin und Sohn). Der Kontakt ist nicht ausgeprägt. Die schlaflosen Nächte, die ich meiner Familie beigefügt habe, werden ad Akta gelegt. Vorsichtiger Optimismus, was das Verhältnis angeht, ist angezeigt. Vater und Mutter sind Mitte siebzig, der Bruder Anfang vierzig.

Experienced Involvement

Die Teilnahme von Oktober 2013 bis September 2014 ist bestätigt worden. Zwei Praktika müssen absolviert werden. Die Finanzierung ist noch etwas wackelig und obliegt der Bearbeitung beim LWL, stellt jedoch kein größeres Problem dar. Es bleibt zu hoffen, dass der Patient (also ich) die notwendige Abstraktionsfähigkeit aufweist, um von den eigenen Problemen Abstand zu nehmen und den jeweiligen Klienten ins Zentrum zu stellen. Ob eine berufliche Perspektive sich öffnet bleibt abzuwarten. Da die Grenze zwischen Fortbildung und Selbsthilfegruppe nicht klar gezogen werden kann ist mit einem positiven Effekt was die Krankheitseinsichtigkeit und die Compliance angeht zu rechnen. In der WfbM kann keine Freistellung für die Seminarzeiten und die Praktika erwirkt werden, somit ist eigener Urlaub für diese Zeiten zu verbrauchen. Ein Krisenplan, der über die bestehende Behandlungsvereinbarung hinausgeht wurde erarbeitet, so dass eventuelle Stolpersteine und Unsicherheiten zuversichtlich abgefedert werden können.

Finanzen

Ich beziehe KEINE Sozialhilfe sondern finanziere mich von Übergangsgeld, das als Tagesgeld ausgezahlt wird, Wohngeld und Rente. Das bedeutet, dass ich meine Miete und meine Fixkosten selbst aufbringen kann, soll, muss und darf. Über Fixkosten und variable Kosten wird am Computer Buch geführt. Da ich starker Raucher bin (vier Pakete / Woche entspricht 120 € / Monat) geht ein Monat meistens +/- 0 aus. Bei finanziellen Engpässen, also wenn die Kalkulation nicht eingehalten werden kann, springt die Familie ein, so dass ich keine Not leiden muss. Vor einem eventuellen Umzug nach Bielefeld ist also unumgänglich ein Job von Nöten, der verhindert, dass die neue Wohnung von Staatsmitteln bezahlt werden muss.

Ausblick

Ein Ausblick erscheint schwierig und gewagt. An dieser Stelle möchte ich ein, drei und fünf Jahre in die Zukunft blicken.

Jahresplan

Die Experienced Involvement – Maßnahme wird erfolgreich abgeschlossen. Ich wechsele in den Arbeitsbereich des Industrieservice Radewig.

3 – Jahresplan

Ich stabilisiere mich so weit, dass ich eine Tätigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt ausüben kann

5 – Jahresplan

Umzug nach Bielefeld

P.S.: Alles Gute für den weiteren Weg, zu Händen des Nachfolgers / der Nachfolgerin. Wann ist Deadline ?
—-
and then again : why do this ? and why not ?
open source life.
….
—-ewing

1, 2 oder 3

Sternzeit 1007,2

Bernie hatte schwer gesoffen. Als letztes, nachdem sein Besuch gegangen war und bevor er auf seine Matratze fiel, hatte er sich noch die Zähne geputzt. Er fiel in unruhige Träume. Um 5 Uhr 30 schellte seine Werkssirene, die ihm den bevorstehenden Montag ankündigte. Er torkelte aus dem Bett unter die Dusche, rasierte sich und nahm die U-Bahn zur Arbeit. Die Werbeagentur hatte viel zu tun. Neue politische Kampagnen wollten ausgedacht und nichtsnutzige Produkte wollten beworben werden. Das Betriebsklima war gut, auch wenn die Abteilung sich 2 Desktoprechner zu acht oder neunt teilen mussten. Gewiss, es war ein typischer ‘Blue Monday’ und 3 Kollegen waren gar nicht erst erschienen. So formulierte er in einem Tür- und Angelgespräch seine weiteren Ziele. Primär war das Anwesenheit, sekundär Sorgfalt und schliesslich als Tertiärziel die nackte Quantität des Arbeitspensums. Bernie, das Biberratteneichhörnchen und seine Nagerkollegen wollten sich nicht länger als Raucher und Nichtraucher auseinanderdividieren lassen. Es unterschied ja auch niemand zwischen Fussgängern, Bus- oder Fahrradfahrern. Vegetariern oder fleischfressenden Pflanzen. Wählern und Nichtwählern. Gesunden und Kranken. Rechts- oder Linkshändern oder Menschen mit oder ohne Sonnenbrille. Ein jeder hatte seinen Platz. Trotzdem war er an diesem Montag ganz besonders froh, als endlich der Feierabend nahte. Hatte er doch noch etwas zu regeln. Sein Leben hing inzwischen nur noch an einem seidenen Faden, aber er liess sich seine Träumereien nicht ausreden. Er wollte zurück in die Wildnis. Das ging nunmal nur mit Hilfe. Also fasste er das Monster der Korruption bei der Hand und bereitete sich auf seine Fortbildung vor. Wie bediene ich mein Telefon, während das Radio läuft ? Was mache ich, wenn ich am Zehnten keine Ravioli mehr habe ? Wie tippe ich mein Passwort ein, ohne den Blick vom Monitor zu wenden ? Wie werde ich dieses bescheuerte Facebook los ? Wie öffne ich mir beim Fahrradfahren einen Apfelsaft ?

Zu Hause angekommen, musste er sich schon wieder vor den Betreuern des Tierheims rechtfertigen. Als wenn nicht alles schon schlimm genug wäre… Der Dienstag würde kommen. Und am Freitag würde er wieder in seinem Sessel sitzen.

Die Qual der Wahl

Sternzeit 0999,5 fünf vor zwölf

Bernie das Biberratteneichhörnchen war aufgerufen, als verantwortlicher Staatsbürger des Tierreichs seine Stimme abzugeben. Nun verhielt es sich leider so, dass man lediglich das geringste von allen möglichen Übeln wählen konnte. Das war natürlich doof und unglücklich, aber gar nicht erst hinzugehen würde bedeuten, die Entscheidung den anderen zu überlassen. Zwar gab es diverse Wahl-o-maten und Entscheidungshilfen, aber die waren nur den Privilegierten mit einem Internetanschluss zugänglich. Davon war Bernie als obdachloser Sozialhilfeempfänger aber weit entfernt. Also überlegte er, wer ihm wohl ein zusätzliches Brötchen verschaffen könnte und wer am ehesten für Frieden und Gerechtigkeit sorgen könnte. Normalerweise war er sowieso dagegen. Also traf er seine Entscheidung erst in der Wahlkabine. Um 17hundert und eine halbe Stunde stand er also in der für ihn zuständigen Schule und las den Zettel. Mit den meisten Namen konnte er überhaupt nichts anfangen. Die Stimme ungültig zu machen schied völlig aus und einer rechten Splittergruppe wollte er nicht helfen. Da auch die diversen Spaßparteien ausschieden und er in der Bäckerei vor ein paar Tagen von einer neuartigen Stimmabgabemöglichkeit gehört hatte, drückte er also den Knopf in der virtuellen Wahlkabine, der seiner Stimme 90 Prozent Brötchenzuschlag verschaffen würde. Zufrieden kaufte er sich eine Tüte Chips und ein Sixpack und knallte sich vor den Fernseher im Arbeitslosenzentrum. Nun würde endlich alles gut werden.

Naturgemäß musste es zwei oder drei mehr von seiner Sorte geben, aber wo waren die bloß alle ?